Album

Augustines - This Is Your Life

Augustines - This Is Your Life

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Es werde Licht

Eine der besten Livebands des Planeten kehrt zurück: die Augustines mischen auf ihrem neuen Album "This Is Your Life" den alt bekannten pathetischen Indie-Rock mit dezenten Synthieeinflüssen. Wir trafen Billy McCarthy und Eric Sanderson im Office des Berliner Labels Caroline International.

Billy McCarthy könnte mit seiner klagend warmen Stimme selbst das freudigste Ereignis, das Glück in Reinform mit Melancholie und Wehklagen übermannen. Der niemals zum Kitsch verkommene Pathos in der Art und Weise, wie der Augustines-Sänger Loblieder auf's Durchhalten in noch so schweren Zeiten psalmenartig wiederholt, kann dem nah am Wasser gebauten Hörer schon mal das ein oder andere Tränchen in die Äuglein drücken.

Nach großen Indie-Rock Hymnen auf dem Debüt "Rise Ye Sunken Ships", sowie dem selbst betiteltem zweiten Album ist das Dreiergespann aus Brooklyn mit "This Is Your Life" jetzt zurück. Und die unsägliche Trauer der ersten beiden Platten scheint zumindest ansatzweise einem "muss ja auch irgendwie weitergehen"-Gefühl gewichen zu sein. 

 

Gegen Ende eines langen Promotages mit etlichen Interviews sehen Billy McCarthy und Eric Sanderson noch überraschend fit aus. Ein Wunder, drängt sich doch von zehn Uhr in der früh bis in den Abend hinein ein Journalist nach dem anderen in das kleine aber charmante Berliner Office ihres Labels Caroline. Aber die Augustines sind von je her angenehme Interviewgäste, die auch abseits der Musik einigs zu sagen haben und das auch wohlwollend tun.

Nachdem kleine Snacks und ein Späti-Bier auf dem Tisch stehen, geht es los. Der Versuch über das Album zu sprechen endet - so viel sei an der Stelle schon verraten - in einem 50-minütigen Plausch über Geschichte, Religion, Philosophie und ja, auch ein bisschen über "This Is Your Life".

Ohne Erwartungshaltungen, frei von Zwängen oder Vorgaben begannen in gelöster Atmosphäre die Arbeiten daran. "Es lief alles ganz organisch, ganz natürlich, ohne Druck. Wieso auch, dann wäre es eh nichts geworden", stellen die beiden gleich von Beginn an klar. Und diese Entspanntheit hat sich das Trio hart erarbeitet.

"Wenn man gegenüber dem Label nicht hart bleibt und für seine Sache einsteht, ist am Ende keiner zufrieden: Label, Band und vor allem nicht die Fans mit dem Ergebnis der Arbeit." (Billy McCarthy)

Nur gegenüber einer Instanz fühle man sich verpflichtet, steuert Multiinstrumentalist Eric Sanderson bei. Und die sei die Fans: "Sie sind es doch die ihr hart verdientes Geld in Shirts, CD's oder Platten und für Konzerte ausgeben. Sie sind der Grund, weswegen wir das machen können, was wir machen". Bei all den Erfolgen, den die Augustines seit Jahren feiern sind sie sympathisch bodenständig geblieben. 

"Das Leben das wir führen, ist ein Geschenk. Wir fliegen durch die Welt und spielen Shows. Das ist keine Arbeit. Die Leute, die von früh bis abends schufften, denen wollen wir damit auch etwas zurück geben". (Billy McCarthy)

Was sich anhört wie aus dem Lehrbuch für Präsidentschaftskandidaten, nimmt man den beiden bedingungslos ab. Und so fällt es den beiden auch nicht schwer über die neue Platte zu sprechen, auf der man auch Neues ausprobiert.  

Augustines - When Things Fall Apart from Blindeye Films on Vimeo.

Unüberhörbar ist der zunehmende Einfuss von Drummachines und Synthesizern. Der pathetische Powerpop-Rock wird ein wenig zurückgefahren, elektronische Spielereien, mal mehr mal weniger dezent im Hintergrund, halten Einzug und sind auch ein Grund, weshalb die allgemeine Stimmung des Albums ein klein wenig heller und positiver ausfällt.

Über das Drama, das Sänger McCarthy in der Vergangenheit erlebt hat, ist viel geschrieben worden. Die Kurzform: sein Bruder litt an Schizophrenie und nahm sich in einer Heilanstalt das Leben. Das war 2009, der Zeitpunkt an dem sich Billy dazu entschloss seine Trauer auch in seinen Songs zu verarbeiten und "We Are Augustines" gründete. Das "We Are" ist mittlerweile verschwunden. Klar, heutzutage müssen sie sich nicht mehr selbst vorstellen, jeder weiß wer sie sind.

Jetzt handeln Songs wie "The Forgotten Way Revised" vom Weitermachen. Es ist die Fähigkeit zu trauern, welche die Augustines an diesem Punkt haben ankommen lassen. Einem Punkt, an dem der Horizont nicht mehr nur tiefschwarz ist. Er hellt auf und die Trauer weicht einer gewissen Trotzhaltung und der Wille am Leben zu bleiben.

"Are we alive / Or are we just kidding ourselves?" schreit Sänger McCarthy ins Mikro, nachdem die Band im furiosen Intro des Openers musikalisch alles reinhaut, was sie zu einer der gefeiertesten Liveband des Planeten machten. Und gibt prompt die Antwort: "I’m terrified of being alone / The pale dying light out my back window is fading“. 

Über die Geschichte der Band wird es demnächst auch eine Dokumentation geben. Den Trailer dazu seht ihr hier. Und wir sehen uns dann auf dem nächsten Konzert wieder. Vielleicht nicht mit einem Späti-Bier, aber dennoch mit geölter Stimme und der kleinen Notfallration Taschentücher.

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