Bell, Book & Candle - Wie wir sind

Bell, Book & Candle - Wie wir sind

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Das Berliner Trio Bell, Book & Candle singt nun auf Deutsch und wagt zudem einen radikal-riskanten musikalischen Wandel: Vom anfänglichen folkig angehauchten Indiepop ist nichts mehr zu spüren.

„Rescue me“: Mit diesem eindringlichen Song im Stile der Cranberries erreichte die Band im Jahr 1997 Platz drei der deutschen Charts. Und diese haben die drei wohl auch mit dem neuen Album wieder im Visier, nachdem es ziemlich still um sie wurde. Nur der Weg für den sie sich entschieden haben, wird kein leichter sein - zumindest nicht für die Hörer... 

Bereits das erste Lied „Wie wir sind“ kann sich nicht entscheiden, ob es coole NDW-Hommage, schlageresque Hookline oder neue deutsche Pop-Poesie sein will: Bell Book & Candle machen es ihren bisherigen Fans wahrlich nicht leicht mit diesem musikalischen und sprachlichen Wechsel.

Auch textlich springt das Album mit vielen Oh-Ohs und Textbausteinen wie „Menschen“, „Lieder“, „Lachen“ „Strand“ auf einen Zug auf, den man hätte besser weiterfahren lassen sollen, denn er ist mit den vielen Giesingers, Forsters, Oerdings & Co. sowieso schon überfüllt.

Bell, Book & Candle - Liebeslied

Das Lied „Déjà-vu“ steht exemplarisch für das ganze Album: Unter einem stampfenden Retortenbeat, der auch oft bei dem neuen deutschen Schlager wohl Modernität vorgaukeln soll, wird der Refrain so oft wiederholt, dass man vor sich den gesamten ZDF-Fernsehgarten rhythmisch mitklatschen sieht (und leider auch hört).

Wenn sich tatsächlich einmal ein Lied ruhig und mit reibender Stimme vorgetragen wie in „Ich bin wie keine“ entwickelt, wird auch diese zarte Pflanze im gnadenlosen Herz-Schmerz-Refrainloop erstickt. Einmal singt Jana Groß "Ich war 16 und voller Wut, Schmerz und Musik" und man fragt sich, wo ist all das geblieben? Passenderweise heißt das Lied "Wo willst Du hin?".

Man bekommt beim Anhören von "Wie wir sind" den Eindruck, die Band sollte ihren Namen verinnerlichen und den dazugehörigen Spruch „Läute die Glocke, schließe das Buch, lösche die Kerze“, denn laut läutet hier die Alarmglocke, diesen Weg nicht weiter zu gehen: Am besten schließt man dieses Kapitel und breitet den Mantel des dunklen Vergessens darüber aus.

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