Ben Khan - Ben Khan (Artwork)

Ben Khan - Ben Khan

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Release-Strategien? Radio-Hits? Ben Khan liefert nach langer Wartezeit sein Debütalbum, spielt mit den Erwartungen und wird wohl auch weiterhin seinen Geheimtipp-Status innehaben. 

Video: Ben Khan - a.t.w (against the wall) (Live Take)

"Playlist-Zeitalter", fester Release-Rhythmus und eigentlich zählt doch auch nur noch der eine große Hit, oder? Bei der Release-Strategie von Ben Khan dürfte wohl so manch einem A&R erstmal schwindlig werden. Zur Erklärung: Nachdem er 2014 bzw. 2015 die überzeugenden EPs "1992" und "1000" veröffentlicht hat, genoss Khan innerhalb der Elektro-Szene einen kurzen Hype sondergleichen. Tanzbar und dennoch weit genug vom Mainstream entfernt, um es ohne Umwege in das Herz jedes melt!-Besuchers zu schaffen. 

Wo nun jede moderne Label-Strategie eine schnelle Nachfolgeveröffentlichung und bestenfalls ein Debütalbum vorsehen würde, um diesen Hype auch umfassend zu verwerten, da wurde es um Ben Khan erstmal still. Sehr still. 2017 gab es mit "Blade (Tidal Wave Of Love)" ein kurzes Lebenszeichen. Danach wieder Stille. Viele Grüße an Jai Paul an dieser Stelle.

Trotz seines Rückzugs hat man nicht den Eindruck, Ben Khan wäre vergessen worden. Seine verschlossene und stellenweise mysteriöse Persona erzeugt den Eindruck, er würde über den Dingen stehen und wäre nicht an aktuelle Social-Media-Marketing-Maßnahmen gebunden. Irgendwie hat es Ben Khan geschafft bis heute im Gespräch zu bleiben und bekommt nun mit seinem Debütalbum doch noch die verspätete Möglichkeit, seinen Hype auszukosten.

Khan führt den Sound seiner EPs auf "Ben Khan" konsequent weiter und wird bei Fans bereits nach kürzester Zeit ein Nostalgie-Gefühl auslösen, sobald die typischen Synthie- und Melodie-Muster erklingen. Dennoch stellt sich die Frage ob der Sound von 2015 in scheinbar weitestgehend unveränderter Form heute noch funktioniert? Hat Ben Khan sein Momentum verspielt?

Die eifnache Antwort: Nein. Khan mag zwar an den Grundpfeilern seines ursprünglichen Soundentwurfs wenig verändert haben, lässt aber neue Einflüsse und einen neuen Experimentalismus zu. Wo andere Künstler im Laufe ihrer Karriere den Weg in den Mainstream suchen, da packt Ben Khan die eingängigen Melodien der EPs in den Schrank und beendet die Suche nach dem großen Radio-Hit, bevor diese überhaupt begonnen hat.

So vorhersehbar Khans Soundentwurf an vielen Stellen sein mag, so viele Überraschungen bietet das Album auch. Die Drums von "The Green" stolpern derart durch den Track, dass wir selbst den Eindruck haben, plötzlich in eine alte J Dilla-Produktion gestolpert zu sein. Mit "Waterfall" und "fool 4 you" gibt es erstmals reine Instrumental-Werke zu hören und "ruby1strecording" liefert die Metaebene zum Track "ruby" gleich mit. 

Video: Ben Khan - Do It Right

All denjenigen, die Ben Khan in den vergangenen Monaten und Jahren nicht vergessen haben, wird bei diesem Album ein Stein vom Herzen fallen. Zu große waren die Vorschusslorbeeren und zu präsent war das Risiko, dieses Album könnte den Erwartungen in keiner Form gerecht werden. Ben Khan macht alle Zweifel vergessen und liefert ein Debütalbum das gekonnt mit den Erwartungen spielt. Der Sound mag der gleiche sein, die Atmopshäre ist eine völlig neue. 

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