The Big Moon - Love In The 4th Dimension

The Big Moon - Love In The 4th Dimension

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Vier Frauen spielen schrammeligen Indie-Rock, alles wirkt locker und lässig aus der Hüfte geschüttelt. The Big Moon sind eine großartige Liveband. Das kaschiert zum Teil einiges, könnte aber ihr Aushängeschild werden.

Wir erinnern uns zurück: Es war Anfang Januar 2016, als in vier Damen aus Spanien allerorts Erwartungen gesteckt wurden, sie könnten den männerdominierten Indie-Rock-Zirkus mal ordentlich durcheinanderwirbeln.

Die Damen heißen HINDS, schwirrten lange - und lange erfolgreich - durch alle renomierten Blogs hier und diesseits des Atlantiks. Am 6. Januar 2016 erschien ihr Debüt. Gute Kritiken folgten, und jetzt? Mucksmäuschenstille. Gemessen an der Erwartungshaltung eher mau - um es nett zu formulieren. 

Bei The Big Moon kommen ähnliche Gefühle auf. Vier toughe Frauen aus London, irrsinnig witzig, sympathisch und bereit die Männerdomäne bei den Eiern zu packen, um Rockmusik anno 2017 vielleicht ein kleines Pealing zu verpassen.

Auch einer ihrer Songs machte im Vorfeld Schlagzeilen: "Sucker" hing die Messlatte an weitere Nummern und nicht zuletzt einem kompletten Album ziemlich hoch. Eine verführerische Bassline - die dunkle, angeraute Stimme von Juliette Jackson perfekt dazu passend - ein paar "uhuhuhuuus" und eine Wahnsinns-Hook. "Sucker" ist ein Hit, keine Frage. Realistisch an die ganze Sache rangegangen, sollte man im Vorfeld die Trauben aber nicht zu hoch hängen. Andersfalls wird man eher ernüchtert zurückgelassen.

Kreative Schübe im Slacker-Indie-Rock-Sammelsurium mit Popappeal und Hitpotenzial sind zuhauf da. Die weite, fast schon U2-eske E-Gitarre zu Beginn in "Pull The Other One" oder die fast durchgängig cleveren, zwar unterschwelligen, aber prägenden Basslinien zum Beispiel. Leider fehlt aber bei einigen Songs ein bisschen das Durchhaltevermögen und unter Umständen ein weiterer Twist, der aus einem cleveren, einem guten Song, einen Hit werden lässt.

Drei Mal haben The Big Moon es dann aber doch mit Bravur geschafft. "Sucker" - bereits gesagt - in "Slient Movie Susie", übrigens eine Nummer über eine Brustwarze von Sängern Jacklin, und in "Bonfire", das wiederum mit einem hitverdächtigem Bass und etwas hektisch wirkender Mehrstimmigkeit aufwartet. Und dann dieses E-Gitarrensolo und das "uhuuu" dazu.

"Es ist ein komisches Gefühl so einen Song über seinen eigenen Nippel vor Hunderten von Leuten zu performen, aber man gewöhnt sich an alles." Juliette Jackson

Für all diejenigen, deren Erwartungen ein bisschen zu hoch hingen und jetzt vielleicht betröppelt dreinschauen, es gibt Trost: Schaut euch The Big Moon unbedingt live an. Es stimmt, was alle sagen: Diese Mädels werden nicht nur als einer der stärksten Livebands der Insel gehandelt, sie sind es. Gebt ihnen eine kleine Bühne, ein feierwütiges Publikum, ihre Waffen und ab geht der Höllenritt. So machten sie schon im Vorprogramm von Foxygen eine sehr gute Figur.

"Love In The 4th Dimension" ist ein gutes Debütalbum - unprätentiös, authentisch, locker und man spürt den Spaß, den die vier Freundinnen beim Schreiben, komponieren und schlussendlich beim Performen haben. Letzteres könnte ihr Aushängeschild werden. Wir würden uns jedenfalls sehr freuen, wollen wir doch nicht in einem Jahr wieder hier sitzen und uns bei der nächsten Girlband fragen, was eigentlich aus The Big Moon geworden ist.

Diese Alben aus dem März habt ihr vielleicht verschlafen und solltet ihr im April definitiv hören

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