Blondie

Blondie (Presspic Debut)

1974 in New York gegründet und bis heute einflussreiche Band in Sachen Stil und Style: Blondie vermengen Punk, Rock, Disco und New Wave zu unwiderstehlichen und unsterblichen Hits.

Seit den Siebziger Jahren ist Blondie eine einflussreiche Band und ihre ewig coole Frontfrau Debbie Harry galt lange vor Madonna oder Lady Gaga als sexy Stilikone der Popmusik. Ihre punkige und dennoch erotisches Selbstinszenierung war damals revolutionär und leitete so die dritten Welle des Feminismus ein, der zu neuen Frauenbildern wie zum Beispiel den Riot Grrrls führen konnte. 2019 veröffentlichte sie ihre offenherzige Autobiografie namens "Face it", die Musikzeitdokument und Privatshow in einem: Gelassen erzählt, mit derben Erinnerungen garniert und immer humorvoll kommentiert. 

Als sie noch ein Baby war, sagte besipeilsweise der Arzt grinsend zu ihren Eltern, "die hat einen echten Schlafzimmerblick" und so stand Harry "schon in ganz jungen Jahren im Zentrum der sexuellen Aufmerksamkeit", wie sie schreibt. Verarbeitet hat sie diesen speziellen Blick auf sie erstmals in dem Song "Pretty Baby", nachdem sie den gleichnamigen Film sah, in dem die zwölfjährige Brooke Shields ein Mädchen in einem Bordell spielt.

Video: Blondie – Pretty Baby 

Biografie Blondie:

1973: Debbie Harry zieht nach New York. Sie sieht dort in Clubs Acts wie The Velvet Underground oder Janis Joplin, ihre erste eigene Band, in der sie Backgroundsängerin ist, heißt schließlich "The Wind In The Willows" und deren Sound beschreibt sie als barocken Folk. Bei dem Song "Djini Judy" steuerte sie den Leadgesang bei, bezeichnet sich aber ansonsten als dekoratives Element der Band, das brav im Hintergrund trällern durfte.

Als sie ihren späteren Partner Chris Stein trifft, gründen beide eine eigene Band, die zunächst Angel and the Snake heißt und schließlich in Blondie umbenannt wird. Es soll bis ins Jahr 1978 dauern, bis sie mit "Denis", einer Coverversion des Liedes "Denise" von Randy & the Rainbows, ihren Durchbruch feiern konnte, denn der Track erreichte in Großbritannien Platz 2 der Charts. Ebenfalls in diesem Jahr erscheint das Debüt "Plastic Letters".

1978: Mit dem zweiten Album "Parallel Lines" ist der international Erfolg nicht mehr aufzuhalten: Es gilt inzwischen als echter Klassiker des New Wave: Rotzig, rockig und dabei unverschämt catchy. Darauf zu finden, die Hit-Single "Heart Of Glass", einer Verbeugung vor Giorgio Moroder, dessen Italo-Disco-Sound Sängerin Debbie Harry liebt und hier in Donna-Summer-Manier vorantreibt.

Die ursprüngliche Zeile "Once I had a love, it was a gas. Soon turned out, it was a pain in the ass", musste übrigens zugunsten prüder Radio-Stationen geändert werden, so dass schließlich der ikonische Text "Soon turned out, had a heart of glass" herauskam. In ihrer Punk-Szene war Disco damals das Uncoolste überhaupt (Schlagwort: "Disco sucks"), doch genau darum wollten sie diesen Song veröffentlichen: "But we did it because we wanted to be uncool", so Harry. Ironischerweise gehört der Track heute zu den coolsten Songs überhaupt.

Video: Blondie - Heart Of Glass

So wie auf "Parallel Lines" ein Song nach dem anderen durchgepeitscht wird, macht das auch beim heutigen Hören noch atemlos: Rock, Post-Punk, Art-Pop, Disco, Sixties-Sound, Reggae, Bubblegum und New Wave wechseln sich atemberaubendem Takt ab und auch die Folge-Alben wirbeln die Musikszene mit untähligen weiteren Hits durch.

1979: Das Album "Eat To The Beat" etabliert die Band endgültig als New-Wave-Disco-Punk-Könige: Mit "Atomic" findet sich schließlich auch noch ein Über-Hit der Band auf dem Album, der zusammen mit den Tracks "Heart Of Glass" und "Call Me" die glitzernde Disco-Trinität Blondies bildet.

Auf dem Folgealbum "AutoAmerican" ist dann mit "Rapture" auch der erste Rap-Song einer weißen Sängerin vertreten, darin finden sich Verweise auf die Hip-Hop-Pioniere Fab 5 Freddy und Grandmaster Flash und Blondie arbeitet endlich mit Moroder zusammen für den Hit "Call Me", der auch auf dem Soundtrack des Richard Gere-Films "American Gigolo" vertreten ist und weltweit ein Erfolg wird.

1981: Debbie Harry veröffentlicht ein Solo-Album namens "Kookoo", dessen Coverdesign von niemand Geringerem als H.R. Giger stammt, der für sein Design der "Alien"-Filmreihe berühmt wurde. Auch Blondie bringt ein neues Album heraus, doch "The Hunter" (1982) leidet unter den berühmten "unüberbrückbaren Differenzen" zwischen den Bandmitgliedern.

Dazu kommt noch eine schwere genetische Erkrankung von Chris Stein und Harry soll ihn über die folgenden Jahre pflegen. Die restlichen Bandmitglieder zerstreuen sich und das Ende der Band scheint gekommen. 

Harry startete auch eine Schauspielerkarriere und wirkte im Kultfilm "Hairspray" von John Waters mit und man sieht sie auch in "Videodrome" von David Cronenberg. Ursprünglich sollte sie zudem die weibliche Hauptrolle in dem Science-Fiction-Film "Blade Runner" von Regisseur Ridley Scott aus dem Jahre 1982 spielen, doch sie hatte andere Verpflichtungen und lehnte ab, was sie später als den "größten Fehler meines Lebens" bezeichnete. Die Rolle spielte schließlich Sean Young.

1999: Doch die Freundschaft siegt über sämtliche Schicksalschläge hinweg und Blondie geliengt mit "No Exit" ein erstaunliches und erfolgreiches Comeback. Die Single "Maria" klettert in 14 Ländern auf die Chartsspitze. Funfact: Sie wurde exakt 20 Jahre nach dem ersten Nummer-Eins-Hit "Heart Of Glass" veröffentlicht.

Video: Blondie - Maria

2013: Der 40. (!) Geburtstag der Band wird gefeiert und dafür das Doppelalbum "Blondie 4(0) Ever" veröffentlicht, das ein Best-Of sowie das zehnte Studioalbum "Ghosts Of Download" beinhaltet. 2014 werden sie eingeladen, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Sotschi zu spielen, doch die Band lehnt wegen der diskriminierenden russischen Gesetze zu Homosexualität ab. Harry selbst bekannte sich im selben Jahr zu ihrer Bisexualität.

2017: Das Album "Pollinator", das das im selben New Yorker Studio aufgenommen wurde, in dem David Bowie seine letzten beiden Alben fertigstellte, erscheint. Leider kann es mit den letzten Bowie-Alben qualitätsmäßig nicht mithalten und enthält viel Mittelmaß. Doch auch durchschnittlich sind Blondie noch überdurchschnittlich besser als so manch aktuelle Band und Tonspion schrieb damals:

"Was sofort auffällt, wenn man die neuen Blondie-Songs hört: Der alte, leuchtende, unverwechselbare Sound der Band ist wieder da. (...) Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, luden sie junge KünstlerInnen wie Sia, Charli XCX, Dave Sitek, Dev Hynes (alias Blood Orange) und nicht mehr ganz so junge Kollegen wie Johnny Marr ein, damit sie Blondie neue Songs auf den Leib schreiben oder produzieren sollten". 

Damit erklärt sich auch die von Shepard Fairey gestaltete Biene, der "Pollinator" auf dem Cover: Blondie befruchten mit ihrem Backkatalog die Popmusik bis heute, jetzt lassen sich Blondie von den Youngsters inspirieren. Die Singles "Long Time" und "Fun" sind perfekte Pop-Ohrwürmer und erinnern an Hits wie "Maria" oder "Heart of Glass", zeitlos eben.

Video: Blondie - Long Time

Diskografie Blondie:

1978: Plastic Letters

1978: Parallel Lines

1979: Blondie

1979: Eat to the Beat

1980: AutoAmerican

1982: The Hunter

1999: No Exit

2003: The Curse of Blondie

2011: Panic of Girls

2014: 4(0) Ever: Greatest Hits Deluxe Redux / Ghosts of Download

2017: Pollinator

Alben

Eat To The Beat

Blondie - Eat To The Beat

Künstler Bio: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Mit dem vierten Album etablierten sich Blondie endgültig als New-Wave-Disco-Punk-Könige: Die darauf zu findenden Hits wie "Dreaming" oder "Atomic" sind zeitlose Klassiker des Pop.

Blondie Pollinator (neues Album 2017)

Blondie - Pollinator

Künstler Bio: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut
Dritter Frühling

Blondie hatten viele nicht mehr wirklich auf dem Schirm: So schwach waren ihre letzten Alben, dass diese höchstens als Abklatsch früherer Glanztaten durchgingen. Dass "Pollinator" ein so gutes, überzeugendes Album voller Hits geworden ist, gehört zu den großen Überraschungen des noch jungen Musikjahres 2017.

Blondie 4(0) Ever

Blondie - Blondie 4(0) Ever

Künstler Bio: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut
40 Jahre Blondie

Für ihr neues Album "Blondie 4(0) Ever" gehen Blondie auf Nummer sicher: neben einem neuen, erstaunlich vielseitigen Album gibt's eine "Greatest Hits" gleich mit dazu.

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Letzte Änderung: 06.07.2020