Bon Iver - 22, A Millon

Bon Iver - 22, A Million

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Fünf Jahre liegt das letzte Album von Bon Iver in der Vergangenheit. Die Welt liebte ihn für seinen lieblichen Folk. Auf der neuen Platte "22, A Million" will er davon nichts mehr wissen.

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Zwischen seinen ersten Alben “For Emma, Forever Ago” und “Bon Iver” legte Justin Vernon in der Vergangenheit das hin, wovon so ziemlich jeder professionelle Musiker träumt: Er evolutionierte. Er entwickelte konsequent weiter, was er zuvor begonnen hatte. Auf “22, A Million” tut er das nicht. Nein, selbst “revolutionieren” wäre wohl ein zu schwaches Wort für das, was Vernon auf seinem dritten Album aus dem Sound von Bon Iver macht.

Denn der Songwriter beschränkt sich diesmal nicht nur auf den zutiefst melancholischen Bombast-Folk-Kosmos, den er bisher prägte und feilt weiter an der Schönheit seiner Musik. Er denkt riesig; er denkt in der Totalen und macht es gerade für alte Fans schwierig das Gehörte einzuordnen.

Statt seinen Stand als Kritiker-Liebling auszubauen, lotet Vernon aus was Popmusik im Allgemeinen kann; was sie darf. Und sprengt dabei Grenzen, von deren Existenz die meisten anderen Musiker bisher wahrscheinlich gar nichts wussten. 

Immer wieder und gerade in Songs wie dem fast dauerhaft übersteuerten “10 d E A T h b R E a s T ⊠ ⊠” scheint es, als nähme er eine solide Produktion, drehe sie einmal unbarmherzig durch den groben Fleischwolf und frickele daraus dann ein kleinteiliges Mosaik zusammen. Ob Samples von Paolo Nutini oder Youtube-Videos, Störsignale im Stream, Lautsprecherknacksen oder stellenweise ausfallende Kanäle – alles kann zum bewussten Stilmittel werden. 

“22, A Million” ist durchzogen von solchen “Fehlern”, die den Songs eine unwirkliche Erhabenheit geben. Die das Digitale auf ein irgendwie doch organisches Level bringen und uns mit unseren von Pop und Folk eingelullten Hörgewohnheiten an die Grenzen der Ästhetik bringen. Gerade weil viele dieser Effekte beim ersten Hören – und vielleicht auch noch beim Zweiten – ein erschrecktes Zucken und plötzliche Verlustangst der eigenen Anlage mit sich bringen.

Aus der einstigen Konsens-Folk-Band Bon Iver ist mit “22, A Million” plötzlich ein gesellschaftliches Kunstprojekte geworden, das vom großen Namen des Künstlers lebt. Als Debüt eines Newcomers wäre die Platte Schrott. Als Nachfolger von “Bon Iver” ist sie genial. 

Es beginnt mit der Zuspitzung der aktuellen Produktionstechniken direkt in der Musik, setzt sich in den kryptischen, vermeintlichen Non-Sense-Titeln der einzelnen Tracks fort und endet dort, wo Vernon selbst in Interviews sagt, dass er die aktuellen Zustände nicht mehr aushält und kein Teil des Businesses und des Ausverkaufs mehr sein möchte.

“22, A Million” ist ein Sackgassenschild. Ausgerechnet aufgestellt vom ehemaligen Everybodys-Darling. Aber es deklariert nicht plump “keine Wendemöglichkeit” und sagt: “Ich darf das. Ich bin Bon Iver”. Stattdessen gibt es Lösungsverschläge vor und deutet an, dass da noch mehr ist als der kleine engstirnige Kosmos, in den sich die Musikindustrie in den letzten 60 Jahren manövriert hat.

"22, A Million" erscheint am 30.09.2016 bei Jagjaguwar / Cargo.

Tourtermine 2017 - Bon Iver:

24.01.2017 – Frankfurt, Jahrhunderthalle 
05.02.2017 – Hamburg, Mehr! Theater
06.02.2017 – Berlin, Tempodrom ​

Tracklist: Bon Iver - 22, A Millon:

01 22 (OVER S∞∞N)
02 10 d E A T h b R E a s T ⊠ ⊠
03 715 - CRΣΣKS
04 33 “GOD”
05 29 #Strafford APTS
06 666 ʇ
07 21 M♢♢N WATER
08 8 (circle)
09 ____45_____
10 00000 Million

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