We were here

Boy - We were here

Artist: 
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Boy versuchen sich bei Album Nummer 2 am Spagat zwischen charmantem Pop und seichtem Radiofutter. Das Ergebnis: ein klares Unentschieden.

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Bild: Debora Mittelstädt

Die Karriere mit einem veritablen Hit einzuläuten ist Fluch und Segen zugleich. Man will die hohen Erwartungen nicht enttäuschen, sich aber auch nicht als Hof-Lieferant fürs Radio verramschen lassen. Im Fall von Valeska Steiner und Sonja Glass heißt diese große Nummer ausgerechnet "Little Numbers" und die jetzt zu meisternde Aufgabe ist: Das schwierige zweite Album. Dieses ist in der Branche zu Recht eine mit Furcht behaftete Angelegenheit; zu viele katastrophale Bruchlandungen belegen Wichtigkeit und Schwierigkeit gleichermaßen.

Vielleicht ist die Wartezeit von 4 Jahren seit dem Debüt eben diesem Druck geschuldet und vielleicht ist es auch derselbe Grund, aus dem Boy beim Nachfolger "We Were Here" nun auf Nummer sicher gehen. Der reduzierte, leicht spröde Charme des Erstlings ist einer teilweise etwas aufgeblasen wirkenden Produktion gewichen, der man ihr Ziel deutlich anhört: weg vom Indie-Image, hin zum Mainstream.

Das ist natürlich völlig legitim und funktioniert auch bestens. Die Songs kommen frisch und leicht daher, die Harmonien gefallen, die Melodien bleiben im Ohr. Nichts irritiert, wenig überrascht. Womit wir schon bei der Krux sind: das alles rauscht ziemlich glatt vorbei, mögliche Ecken und Kanten wurden so lange abgeschliffen, bis nichts mehr die Hörgewohnheiten des Konsumenten stört. Das mag Songs wie der ersten Single, dem Titeltrack, durchaus gut stehen. Andere, wie "Rivers Or Oceans" oder "Fear" gerieten durch die Überproduktion zu Füllmaterial, wenn auch zu gut gemachtem. So würde man es wohl dennoch durchgehen lassen, gäbe es da nicht "New York": genau in der Mitte des Albums zeigt dieser Track eindrucksvoll, wie gut Boy sein können, wenn sie ganz bei sich sind - und wie weit sie hier hinter ihren Möglichkeiten zurück blieben.

Insgesamt wirkt "We Were Here" etwas zwiespältig. Für ein Indie-Album zu glatt, für die volle Pop-Dröhnung dann doch zu zaghaft, pendelt das Album zwischen totproduzierten Songs und echten Perlen hin und her. Wären Glass und Steiner blutige Anfänger, könnte man das einfach etwas unentschlossen nennen. So aber darf man davon ausgehen, dass ganz bewusst auf den Massenmarkt abgezielt wurde ohne die Fans des Debüts riskieren zu wollen. Wie schon so viele Bands vor ihnen hadern auch Boy mit diesem Spagat gewaltig. Verloren haben sie den Kampf sicher nicht, als strahlende Sieger gehen sie aber auch nicht vom Platz.

"If you look carefully, you'll see us shining through" singt Steiner. Keine leichte Aufgabe bei all den Lackschichten, die hier aufgetragen wurden. Vielleicht findet man fürs nächste Album ab und zu mal wieder die Bremse - der intime und wirklich wunderschöne Rausschmeißer "Into the wild" zeigt, dass Boy nämlich genau dann ihre wahre Größe erreichen.

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