Etiquette

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Casiotone For The Painfully Alone

Redaktionswertung: 
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sehr gut

Es ist vielleicht etwas vermessen im Februar bereits einen der schönsten Songs dieses Jahres zu küren. Aber Ehre, wem Ehre gebührt: In diesem Falle dem hier vorgestellten Song von Owen Ashworth aka Casiotone For The Painfully Alone.

„Beer for breakfast – who´s gonna scold?“: mit kitschigen Weihnachtsklischees hat „Cold White Christmas“ also rein gar nichts zu tun. Stattdessen erzählt Ashworth in seinen Songs mit tiefer Stimme von der Einsamkeit, von Abschied und Rückkehr. Romantisch und melancholisch, niemals pathetisch, aber immer sympathisch, hat er ungewöhnlich schöne Songs aufgenommen – der Legende nach unter einem Zirkuszelt. Ähnlich skurril wie die Geschichten auf „Etiquette“, kombiniert Casiotone For The Painfully Alone musikalische Einflüsse. In knapp einer halben Stunde präsentiert er – zeitweise unterstützt von einer Gastsängerin – schüchtern und doch eindringlich aufs Wesentliche reduzierte Tracks, die dadurch nur noch beeindruckender erscheinen. Auf seinen drei zuvor erschienenen Alben nutzte er noch seinen alten 4-Spur-Recorder und ausschließlich batteriebetriebene Keyboards, heute lässt Ashworth Pop-Folk und Country-Techno entstehen. Casiotone For The Painfully Alone stellt musikalisch so ziemlich alles in Frage, obwohl er keine Antwort hat. Das überlässt er seinen Songs. So ist „Etiquette“ letztendlich verquerer Pop zwischen Euphorie und Enttäuschung, zwischen Piano und Drumcomputer. Mit den richtigen Texten, doch ohne richtige Refrains. Aber trotzdem immer mit Gespür für Eingängigkeit. Owen Ashworth hat das perfekte moderne Popalbum aufgenommen – obwohl er das in seiner Bescheidenheit wohl niemals zugeben würde. (js)

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