Die Farbe Von Wasser (Cover)

Curse - Die Farbe Von Wasser

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Nach Silbermond-Features und missglückten Pop-Experimenten findet Curse endlich wieder zu alter Stärke zurück. „Die Farbe Von Wasser“ ist vielleicht sein bestes Album.

„Ich atme aus, ich atme ein

Meine Welt ist endlich groß, nicht mehr klein

Ich atme aus, ich atme ein

Ich muss endlich nichts mehr tun, ich kann sein.“

- Curse auf „Waffen“

Der Künstler ist erwachsen geworden, würde man bei solchen Zeilen an anderer Stelle vielleicht schreiben. Die Phase der Adoleszenz hat Curse jedoch schon eine Weile hinter sich. Mittlerweile zählt der Mindener zu den Rappern, die HipHop in Deutschland am nachhaltigsten beeinflusst und geprägt haben. Fast 20 Jahre nach seinem Klassiker „Feuerwasser“ präsentiert er sich auf seinem siebten Soloalbum als reflektierter Künstler und lässt sein Faible für kluge Texte spielen.

Video: Curse - "Bei Mir"

Man muss keinen Generationenkonflikt heraufbeschwören, um das neue Album von Curse gut zu finden. Er selbst bestätigte erst kürzlich in einem Interview die Vielfalt an interessanten Künstlern, die sich derzeit in der Szene tummeln. Statt also wie viele seiner Altersgenossen gegen Newcomer-Hypes zu schießen, bedient Michael Kurth eine Nische, die in den letzten Monaten eher spärlich besätzt war – das Storytelling. Die Mindener Produzenten Hitnapperz basteln dafür einen unaufgeregten Soundteppich aus modernen BoomBap-Beats mit melancholischen bis klug arrangierten Pianofiguren, auf denen Curse mal Gesellschaftskritik übt, mal Metaphern auf das Leben spinnt. Das ist nicht selten eine Gratwanderung zwischen Kitsch und Pathos, doch auch wenn manche Zeile ein wenig zu schmalzig gerät, bleibt der Mindener dabei auf Albumlänge insgesamt unpeinlich. Und spätestens wenn auf „Manuskript“ Samy Deluxe, Kool Savas und Curse zu Fanfarenbeats um die Wette spitten, dürfte jedem eingefleischten Rapfan das Herz aufgehen.

„Die Farbe Von Wasser“ ist kein Album, das man in einer Runde mit Freunden anmacht. Es ist ein Album, für das man sich Zeit nehmen muss und am besten allein und am Stück gehört wird. Curse gelingt auf „Die Farbe Von Wasser“ das, was Prinz Pi damals mit „Kompass ohne Norden“ verfehlte: Geschichten erzählen, Nostalgie erzeugen und dabei nicht zielgruppenanbiedernd zu wirken. Auch wenn er mit seinem Sound gerade nicht den HipHop-Mainstream trifft, dürfte sein neuester Streich noch den einen oder anderen Hype überdauern.

Video: Curse - "Manuskript" feat. Samy Deluxe und Kool Savas

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