☆ Blackstar

David Bowie - ☆ Blackstar

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Vor einem Jahr erschien mit „Blackstar“ David Bowies letztes Album. In sämtlichen Jahres-Bilanzen landete es auf den vorderen Rängen, viele mysteriöse Geschichten ranken sich um seine Entstehung und für Fans gleicht es einem Testament. Zeit für einen Blick auf Bowies Vermächtnis, ein Jahr danach.

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David Bowie veröffentlicht „Blackstar“ am 8. Januar 2016, seinem 69. Geburtstag. Es ist sein 25. Studioalbum und die Kritiken sind sich weitestgehend einig: es ist eines seiner besten. Drei Tage später wissen wir, es wird auch sein letztes sein. David Robert Jones stirbt am 10. Januar an Leberkrebs, 18 Monate nach der Diagnose. Die Öffentlichkeit erfährt es am 11. Januar, niemand hat bis zu seinem Tod von seiner Erkrankung gewußt, der Schock über die Nachricht ist entsprechend groß. Die Welt trauert um eine Ikone und sie tut es bis heute.

Bowies Todesmeldung auf Facebook

Bowie habe das Ende geahnt, heißt es schnell, das Album sei sein von langer Hand geplanter Abschied von den Fans. Die Texte, der Titel, die biblischen Metaphern, die kryptischen Videos, all das erschien angesichts des Todes auf makabere Weise einfach zu stimmig, um die Zeichen nicht zu sehen. Der Visionär nun also als Orakel, das den eigenen Abgang von der Weltbühne vorhersieht und inszeniert.

Heute wissen wir, dass die meisten dieser Geschichten höchst wahrscheinlich nicht stimmen. Er hat seinen Tod nicht kommen sehen, „Blackstar“ sollte kein Abschied sein. Bowie hatte noch Pläne. Dass er schwer krank war und wohl nicht mehr allzu viele Jahre haben würde, das war ihm aber wohl bewußt und somit ergeben die großen Themen des Albums natürlich dennoch Sinn. Alle Details werden wir wahrscheinlich nie erfahren, und das ist sicher auch gut so.

Vieles wurde seit Bowies Tod geschrieben und im Rückblick neigt der Mensch zur Glorifizierung. Der neutrale Blick auf einen solchen Künstler fällt schwer, die Gefahr der posthumen Überhöhung seines Werkes ist groß. Doch „Blackstar“ macht es uns wirklich leicht. Auch mit genügend zeitlichem Abstand und mit allen neuen Einblicken bleibt dieses Album eines der besten des vergangenen Jahres; Sein Platz in den Bestenlisten 2016 ist berechtigt.

Oft verändern sich Alben im Lauf der Zeit, zumindest in der Wahrnehmung des Hörers. So nutzt sich eine Liebe aufs erste Hören oft schnell ab und anfängliches Zögern weicht nach und nach einer großen Begeisterung. Und dann gibt es Alben, die wie ein Fels in der Brandung stehen und keinen Millimeter weichen. Ein solches Album ist „Blackstar“.

Schon die ersten Minuten sind von solcher Intensität, dass man sich nicht entziehen kann. Je tiefer man eintaucht, je mehr man die verstecken Botschaften entschlüsselt, desto überwältigender wird diese Musik. Bowie warf hier, mit knapp 70, jedes Sicherheitsdenken und jedes Kalkül über Bord.

Ohne nun erneut in Vermutungen abdriften zu wollen - es wirkt, als habe der Musiker auf der Zielgerade seines Lebens alle Fesseln gesprengt und sich nach (auch das muss gesagt werden) durchaus ein paar mäßigeren Alben auf das besonnen, was ihn einst groß gemacht hatte: selbst die Impulse zu setzen, statt sie nur wiederzugeben. „Blackstar“ ist sperrig, innovativ, antrengend und furchteinflößend. Und wunderschön.

Es ist nicht nur ein Abschied. Es ist, bei aller Trauer, der bestmögliche Schlusspunkt einer fünf Jahrzehnte umfassenden und in dieser Form wohl einzigartigen Karriere. Zusammen mit seinem Producer Tony Visconti schuf Bowie ein düsteres, intensives, Jazz-infiziertes Meisterwerk. Ein Statement, wie geschaffen als würdiges Vermächtnis für einen Künstler von solchem Format. Die letzten Worte sollen dem Meister selbst gehören:

„I don’t know where I’m going from here, but I promise, it won’t be boring.“

Bowie by Jimmy King
Foto: Jimmy King

Weitere Songs aus den "Blackstar"-Sessions sind soeben als EP erschienen - hier findet ihr "No Plan" im Stream. 

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