Out

Die Nerven - Out

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Die Nerven legen ihr drittes Album nach. Ohne jede Diskussion entwickeln sich die Stuttgarter mehr und mehr zur taktangebenden Instanz in Sachen Noise-Punk.

Mit der lieblos wirkenden Beschreibung "Punk" sei an dieser Stelle aber weniger eine etwaige Stilrichtung, als vielmehr das Gefühl beschrieben, das sich beim hören von "Out" einstellt.

Die Nerven - Fluidum | Download & Stream

Diese schier endlos wirkende innere Wut, kanalisiert durch die simpelste aller gitarrenmusikalischen Formationen - E-Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang - mündet in staubig-wütenden Anti-Hedonismus. Eine krachende Wut auf die existenten gesellschaftlichen Verhältnisse, auf die "Nein"- und "Vielleicht"-Sager dieser Welt und die iPhone-Generation. Die Nerven proben den Aufstand, wollen den Widerstand und machen uns zu treuen Gefolgsleuten auf ihrem Weg durch die versnobten Vorstädte dieses Landes mit ihren spießigen Einfamilien-Reihenhäusern.

Spätestens seit dem zweiten Album "Fun" haben die Stuttgarter den mal mehr, mal weniger angenehmen Stempel des "Kritikerlieblings" auf der Stirn stehen. Ein Prädikat, auf das sie keinen besonderen Wert legen werden. Solche Zuschreibungen, aber auch Chartplatzierungen sind Schall und Rauch. Maximal ein nettes Nebenprodukt eines untriebigen und fokussierten Musikerdaseins.

Die Nerven - Fun | Download & Stream

Auf "Out" nehmen sich Die Nerven mehr Zeit, geben den Songs eine Weile sich zu entwickeln, um dann für einen kurzen Moment zu explodieren und weiterzulodern, bis nur noch sachter Qualm der verbrannten Erde zu sehen ist. Das Album ist die konsequente Weiterentwicklung, teilweise beinahe hin zu einem popmelodischen Einschlag wie in "Ich habe gelogen".

Trotzdem bleiben sie so herrlich unbequem, schrammelig, laut und staubtrocken wie auf "Fun". "Alles ist verdreckt/Vergiss die ganzen Pläne", heißt es zum Beispiel in "Dreck", einem der vielen starken Songs des neuen Albums.

An wem Die Nerven letztes Jahr noch spurlos vorbeigezogen sind, kann dem Postpunk der drei Jungs spätestens jetzt nicht mehr entkommen. Kaum zu glauben, aber mit "Out" knüpfen Die Nerven nicht nur an den Vorgänger an - nein, sie legen vor allem musikalisch noch eine Schippe drauf, werden abwechslungsreicher, variieren Tempo, Stil, Lautstärke und Intensität innerhalb der Songs. Diese Intensität wird vor allem live spürbar. Darum gilt es, die folgenden Daten unbedingt im Auge zu behalten:

23.10. Saarbrücken - Silo
24.11. Darmstadt - Oettinger Villa
27.11. Erlangen - BR PULS Festival
28.11. München - BR PULS Festival
30.11. Chemnitz - Atomino
01.12. Leipzig - Conne Island
02.12. Dresden - Groove Station
03.12. Berlin - Lido
06.12. Hamburg - Molotow
08.12. Bremen - Lagerhaus

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