Digitalism - Mirage

Mirage

Digitalism

Redaktionswertung: 
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Man will es kaum glauben, aber Digitalism veröffentlichen tatsächlich erst ihr drittes Album. Auf "Mirage" knallt eine Fata Morgana aus bunten Sounds aus der Electro-Wüste hervor oder ist letztendlich doch nur alles Einbildung?

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Was macht man, wenn etwas Neues aus dem Hause Digitalism kommt? Klar, man setzt als Maßstab immer das grandiose Debüt „Idealism“ aus dem Jahr 2007 an. Dabei ist es eigentlich ziemlich unfair, dass man auf ein zweites „Idealistic“, „Pogo“ oder „The Pulse“ hofft, denn Stillstand sollte bei Künstlern ja auch nicht vorkommen. Auf „Mirage“ beschreiten Jens und Ismail einen Mittelweg, der auf der einen Seite von typischen Indie-House-Beats, auf der anderen Seite von überraschenden Synthie-Elementen flankiert wird.

Zu Beginn wird man sogleich in eine „Arena“ gezogen, die mit schillernden Sounds bereits andeutet, was während der folgenden 14 Tracks vermehrt durchblitzt: ein kleines Faible für die Eighties, welcher den Hörer auf von Palmen gesäumte Alleen zwischen Miami Vice („Shangri-La“) und Drive-Soundtrack („Indigo Skies“) manövriert. Mit „Go Time“ gibt es aber auch wieder einen typischen Radio-Song im "Pogo"-Stil aus dem Digitalism-Kosmos.

Auch gewaltige Club-Brecher finden sich wieder auf "Mirage". "Dynamo" und "Power Station" schmettern aber niemals nur dumpfen Bass in die Magengrube, sondern kitzeln mit akustischen Feinheiten auch die Gehörgänge. Digitalism selbst empfehlen dazu ein Workout. Nicht die schlechteste Idee.

Auch wenn das Herzstück der Platte der zweiteilige Titeltrack ist, müssen besonders „Utopia“ und „Open Waters“ hervorgehoben werden. Auf diesen beiden Songs verbinden Jens und Isi alles, was Digitalism ausmacht: treibende, sich steigernde Electro-Songs mit gerade genug Indie-Einschlag, um problemlos von 0 auf 100 und zurück gehen zu können. Hier schwebt man tatsächlich gedanklich über utopische Gegenden und offenes Gewässer. Wäre der Begriff Sommerhit nicht mittlerweile untrennbar mit Sangria und Ballermann konnotiert, könnte man "Open Waters" durchaus als solchen bezeichnen.

Digitalism haben es geschafft, eine musikalische Fata Morgana zu erzeugen, die den Hörer in eine farbenprächtige, ausdrucksstarke Welt entführen kann, um ihn dann nach dem letzten Ton ratlos zurückzulassen. Das Einzige, was dagegen hilft: auf Play drücken, die Reise erneut antreten, staunen, schwitzen, frieren und gucken, ob man sich der Kraft der Einbildung irgendwann widersetzen kann. Aber wer will das schon?

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