The Divine Comedy – Office Politics (Album Cover)

The Divine Comedy - Office Politics

Redaktionswertung: 
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Vom Anschauen des Covers über das Lesen der Tracklist: "Office Politics" von The Divine Comedy verleitet zum Dauergrinsen und die Songs spielen auf der gesamten Klaviatur des britischen Humors – vom vertonten Gag hin zur swingenden Tragikomödie.

Das Albumcover sieht aus wie eine Szene aus einer britischen Neunziger-Jahre-Comedy-Serie und auch der Titelsong könnte als dessen Theme durchgehen: „"Office Politics" ist ein lakonischer Jingle auf ein Büroleben, das so nicht mehr zu existieren scheint.

Damals verließ Mastermind Neil Hannon diese Art von Arbeit, begann mit dem Musikmachen und heute versteht er nicht mehr, wie sich die "normale Welt" derart verändern konnte. All das verarbeitet er auf seinem zwölften (Doppel-)Album mit teils poppigen teils komödiantischen Elementen.

Video: Queuejumper

Nostalgie überzieht dieses zutiefst britische Album, in dem Tracks wie skurrile Supermarktfloskeln heißen ("The Synthesiser Service Centre Super Summer Sale") oder Sketch-Titel ("Philip And Steve’s Furniture Removal Company" – gemeint sind hier Hr. Glass und Hr. Reich, Ikonen der Avandgarde-Musik): Zwar geht es hier nicht direkt um den Brexit, aber doch wieder um einen Wandel und die leise Traurigkeit über den Siegeszug von Modernität sowie Maschinen.

Am überzeugendsten gelingt diese Verarbeitung in erzählerischen Tracks wie dem orchestralen wie eingängigen "Absolutely Obselete" oder dem rührenden Stück "Norman And Norma".

Video: Norman And Norma

Die feine Ironie dabei ist, dass Hannon in seinem Anti-Maschinen-Manifest durchaus Synthies verwendet, wobei auch diese eigentlich wieder mit einer dichten Retro-Schicht überzogen sind. Mal klingt das wie beschwingte beschwippste Sixties-Melodien, dann wieder nach den Pet Shop Boys oder David Bowie und ab und an schwingt eben auch Monty Python mit.

Wieviel Parodie im Pop stecken kann, ohne dass es albern wird – Neil Hannon zeigt es auf 16 schillernden Songs, plus 15 weiteren Demo-Versionen. Schlusspunkt der Britcomedy ist dann das grandiose "When The Working Day Is Gone", das im Abspann wie eine Scott-Walker-Hommage für die göttlichen Momente in der ewigen Komödie des Lebens sorgt.

The Divine Comedy 2019

23.10. Berlin - Admiralspalast  
24.10. Hamburg - Docks  
25.10. Köln - Live Music Hall  

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