Douglas Dare / "Aforger"

Aforger

Douglas Dare

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Vor zwei Jahren erregte Douglas Dare mit Poesie zu Pianoklängen Aufsehen. So richtig gut ging es ihm in der Zwischenzeit offenbar nicht: Trennung und Verlust prägen sein zweites Album  - ebenso wie Mut zur Veränderung und eine ganze Reihe ziemlich perfekter Songs.

Die Entdeckung, dass der Mensch, mit dem man seit Jahren Tisch und Bett teilt, ein Doppelleben führt, ist sicherlich eine traumatische Erfahrung. Das Ausmaß seiner ganz persönlichen Tragödie lässt Dare offen, doch die Wahl des zu einem Wort verknappten „A Forger“ als Albumtitel lässt nichts Gutes erahnen. Kunst findet jedoch bekanntlich oft ihren Ursprung im Schmerz und das gilt auch hier.

Der studierte und an Klassik geschulte Musiker bekam sein Instrument quasi schon vor die Wiege gestellt. Für den Sohn einer Klavierlehrerin war der Griff in die Tasten nur eine Frage der Zeit und das Talent hat sich glücklicherweise vererbt. Das Vorhaben, seinem zweiten Album vor allem durch den Verzicht auf sein bevorzugtes Instrument eine neue musikalische Ausrichtung zu geben, hat er glücklicherweise wieder verworfen.

Glücklicherweise deshalb, weil Dare und sein Piano - wie schon auf dem Debüt „Whelm“ (2014) - auch hier eine perfekte Verbindung eingehen. Allerdings hat sich das Spektrum deutlich erweitert: Chöre, Bläser und vor allem das Programming von Producer Fabian Prynn geben den Songs des zweiten Albums einen gewaltigen Rahmen, der ihnen außerordentlich gut bekommt.

Enttäuschung, Selbstfindung, Scheitern und Neubeginn sind der Ausgangspunkt für grundlegende Fragen und der Motor für ein sehr persönliches Album. In Anlehnung an Orwells Vision „1984“ lotet Dare die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung aus, überprüft auch die eigene Biografie auf Vermischungen von Realität und Einbildung: „New York“ erzählt von einer Reise mit dem Ex und stellt rückblickend die bange Frage: was war eigentlich echt, was nur vorgespielt?

Vom Coming out („Oh Father“) über die Qualen nächtlichen Liebeskummers („Binary“) bis zur Frage „Kann ich vergeben?“ („Stranger“) lässt Dare den Hörer unmittelbar an allen Höhen und Tiefen teilhaben. Seine faszinierende Stimme, die nahbaren Texte und die teilweise bedrückenden Arrangements machen „Aforger“ zu einem sehr eindringlichen Album über die Fassaden und Trugbilder unseres Selbst und unserer Beziehungen. Ein Highlight!

"Aforger" erschien bereits am 14.10.2016 via Erased Tapes Records.

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