2001

2001

Dr. Dre

Redaktionswertung: 
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Auch auf seinem zweiten Studioalbum bewies Dr. Dre, dass er musikalische Visionen für zwei Karrieren besitzt. Nicht einmal der auffällig derbe Gossenjargon ruiniert "2001".

► Dr. Dre: Doku feiert 20 Jahre "2001"

Der ehemalige Label-Partner Suge Knight sicherte sich den ursprünglich angedachten Titel "2000". Dr. Dre zählte einfach eine Nummer hoch und schuf damit einen Namen, der besser altert. "2001" erschien am 16. November 1999 und verkaufte sich bis heute fast acht Millionen Mal. Der damals 34-Jährige verließ mit der Platte den Hip-Hop-Kosmos und schlug endgültig im Musik-Olymp auf.

Den von George Clinton inspirierten G-Funk, den Dre auf "The Chronic" erdacht hatte, reicherte er auf "2001" mit Sounds der Jiggy-Ära an. Der Kalifornier setzte verstärkt auf Synthesizer-Klänge. Dabei entstanden Hymnen wie "Still D.R.E.", "Forget About Dre" und "The Next Episode", die auch über 20 Jahre später nicht altbacken klingen.

Was musikalisch kaum Kritik zulässt, machen die fragwürdigen Lyrics nach der ersten Strophe zunichte. "A pig-headed, punk-dicked, ‘bitch’-dissing fest does, along with requisite dollops of ho-slapping violence, marijuana-addled bravado and penis-sucking wish fulfilment", schrieb der NME 1999 und gab drei von fünf Sternen.

Tatsächlich zählt "2001" nicht zu den Alben, die man mit den Eltern beim Abendessen hört. Dr. Dre führt das konsequent fort, was er 1993 mit "The Chronic" begann: harter Gangsta-Rap mit einem hochmusikalischen Ansatz. "Smoke weed everyday", sangen auch in Deutschland die vermeintlich coolen Kids und grenzten sich damit von den Baggy-Pants-tragenden Deutschrap-Fans ab.

Video: Dr. Dre feat. Snoop Dogg – Still D.R.E.

Eine Platte von Dr. Dre gleicht vielmehr einer Compilation als einem Soloalbum. "2001" bildet da keine Ausnahme. Fast jeden der 22 Songs produzierte Dre zusammen mit Mel-Man. Auf dem finalen Stück "The Message" hatte Lord Finesse die komplette Kontrolle. Zudem teilt sich das N.W.A.-Gründungsmitglied in jedem Lied das Mikrofon.

Dr. Dre ging es nie um die eigenen Lorbeeren. Mit "The Chronic" beförderte er Snoop Dogg zum Superstar. Auf "2001" rückte er Eminem und Xzibit ins Scheinwerferlicht. Alte Weggefährten wie Nate Dogg und Kurupt befinden sich ebenfalls auf der Lohnliste von "2001". Kreativität entsteht bei Dr. Dre nicht im stillen Kämmerlein, sondern in der Gruppenarbeit.

2015 veröffentlichte Dre sein drittes Soloalbum "Compton". Eine so hochwertige wie langweilige Platte, die womöglich nur aufgrund des N.W.A.-Biopics "Straight Outta Compton" erschien. An Dres Vermächtnis rüttelt das Album nicht. Dafür hat der 54-Jährige bereits in den Neunzigern gesorgt. "The Chronic" ist sein unangefochtenes Meisterwerk – "2001" der Beweis für seine kreative Schaffenskraft.

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