Drake - Scorpion (Artwork)

Drake - Scorpion

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Doppelalbum, 25 Tracks und ein Michael Jackson-Feature. Drake will mit "Scorpion" endlich DAS Album seiner Karriere schaffen und damit das enttäuschende "Views" vergessen machen. Doch Drake leidet auch weiterhin unter sich selbst. 

Ein Doppelalbum. Nachdem uns Kanye West in den vergangenen Wochen mit einer ganzen Flut an 7-Track-Alben überhäuft hat und stellenweise gemutmaßt wurde, ob es sich dabei um das Album-Format der Zukunft handeln könnte, geht Drake, ganz im Stile des Scorpions-Sternzeichen, den Gegenweg und liefert uns ein Doppelalbum mit 25 Tracks. 

So weit, so gut. Das Doppelalbum hat im Hip-Hop immerhin eine traditionsreiche Geschichte. Erstmals 1988 von DJ Jazzy Jeff & The Fresh Prince umgesetzt, enthielt es mit "Parents Just Don't Understand" immerhin den Song, der später den ersten Grammy für "Best Rap Performance" gewinnen sollte. Weitere bekannte Vertreter der Doppelalbum-Kategorie: All Eyez On MeWu-Tang Forever und Speakerboxxx/The Love Below.

30 Jahre nach dem ersten Versuch präsentiert uns Drake also ebenfalls ein Doppelalbum. Wer die Karriere des 31-Jährigen Aubrey Drake Graham stellenweise verfolgt hat, dürfte den Hintergrund schnell verstehen. Drake legt stets großen Wert darauf, ein bisschen "extra" zu sein, was auch gerne zu halbgaren und "revolutionären" Playlist-Projekten im Stile eines "More Life" führt.

Gleichzeitig führt er seit jeher den Kampf mit sich selbst, ob er nun einfühlsamer R&B-Sänger ("Take Care") oder knallharter Street-Rapper ("IYRTITL") sein möchte. Dass er beide Rollen bestens besetzten kann, hat er in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, der Versuch beide Stile endgültig miteinander zu vereinbaren, ist auf "VIEWS" jedoch weitestgehend gescheitert. 

A-Seite

Video: Drake - I'm Upset

Kurzer Tracklist-Scan: 12 Songs, Jay-Z als einziges Feature und sowohl der Welthit "God's Plan", als auch das kürzlich erschienene "I'm Upset" finden sich wieder. Drake-typischer Einstieg mit "Survival" und bereits nach wenigen Tracks wird klar, dass wir es bei der A-Seite des Albums mit der Rapper-Version von Drake zu haben. Keineswegs eine neue oder unbekannte Version, sondern eine Mischung aus den Drakes, die wir über die vergangenen Jahren kennenlernen durften.

So lassen sich die verschiedenen Stilrichtungen der Alben, Mixtapes und Playlists der vergangenen acht Jahre bestens wiedererkennen. "Sandra's Rose" und "8 Out Of 10" beinhalten deutliche Stilelemente der "Thank Me Later"-Phase und "Survival", "Emotionless" oder "Mob Ties" kann man durchaus Anleihen von "Take Care" zusprechen.

Der oftmals undefinierte, samplelastige Sound von "Nothing Was The Same" findet sich auf "Is There More" wieder und den "IYRTITL" bekommen wir gleich auf einer ganzen Reihe von Tracks, inklusive "I'm Upset" und "Can't Take a Joke", zu hören. Mit "Elevate" wird sich zumindest ein Stück weit an den "VIEWS"-Tonus angenähert, einzig und alleine die Entsprechung des "More Life"-Projekts bleibt offen.

B-Seite

Video: Drake - Nice For What

Kurzer Tracklist-Scan: 13 Songs, mit "Nice For What" ein weiterer Welthit, dazu Features von Ty Dolla $ign und Michael Jackson. Richtig gelesen, Drake hat es sich nicht nehmen lassen ein Michael Jackson-Feature auf seinem Album zu verewigen. Und dabei unterstellen wir den Größenwahn doch sonst stets Mr. West?

Erwartungsgemäß bekommen wir hier die R&B-Seite von "Scorpion" geliefert. Bereits der Opener "Peak" macht deutlich, dass wir uns jetzt auf einem anderen Album und in der Obhut eines anderen Drakes befinden. Er baut mit den ersten Tracks eine ruhige und dennoch bedrohliche Atmosphäre auf, wie wir sie in ihrer Intensität zuletzt bei "Take Care" erleben durften.

Zerstört wird diese dann leider ausgerechnet durch "Nice For What", welcher wohl kaum schlechter hätte platziert werden können. Wer diesen Track, ebenso wie den Sample-Elektro-Ausflug "In My Feelings" ausblendet, bekommt hier den gefühlvollen, selbstbezogenen R&B-Drake in Reinform zu hören und damit am ehesten etwas, was dem lang erwarteten "Take Care 2" am nächsten kommt.

Halt, da war ja noch etwas. "Don't Matter To Me" mit Michael Jackson. Man kann Drake nun alle Motive der Welt unterstellen, fest steht jedoch, dass der Song stimmig ist, das posthume Feature bestens funktioniert und damit eines der Highlights der B-Seite erzeugt. Chapeau, Aubrey.

C-Seite

Bei all den musikalischen Throwbacks zu vergangenen Alben und unerwarteten Features, gerät schnell in Vergessenheit, dass dieses Album auch einen lyrischen Inhalt besitzt. Den Inhalt von 25 Tracks auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, mag in den meisten Fällen utopisch erscheinen, könnte bei "Scorpion" jedoch kaum leichter sein: Drake. Bei Drake geht es um Drake. Das war seit jeder so und wird sich wohl nie ändern. 

Drake nimmt sein Sternzeichen zum Anlass, sich ein Stück weiter zu öffnen als bisher, er reflektiert über eigene Schwächen und gesteht sich Fehler und Lügen ein. Dennoch entsteht nicht der Eindruck, als wäre man als Hörer wirklich nah an der Person Aubrey Graham dran. Selbstverständlich gibt es dazu auch keinen Anlass, doch besonders die B-Seite will stets den Eindruck vermitteln, dass wir hier die Person hinter der Figur "Drake" zu hören bekommen.

Um die Gossip-Fans zu beruhigen hat sich Drake selbstverständlich auch zu den Gerüchten rund um einen angeblich versteckten Sohn geäußert. Diese werden zwar an mehreren Stellen bestätigt, erhalten jedoch auch nur oberflächliche Aufmerksamkeit:

"I wasn't hiding my kid from the world, I was hiding the world from my kid / From empty souls who just wake up and look to debate / Until you staring at your seed, you could never relate."

- Drake / "Emotionless"

Drake spricht über Alles und Nichts, gibt angeblich tiefe Einblicke und lässt kurz darauf erkennen, dass diese nicht mal wirklich an der Oberfläche kratzen. "Scorpion" stellt definitiv einen guten Kontrast zu den stellenweise nichtssagenden Momenten auf "More Life" und "Views" dar, ob es dafür jedoch tatsächlich ganze 25 Tracks gebraucht hätte, darüber lässt sich definitiv streiten. "Scorpion" will das ganz große Machwerk seiner Karriere sein, verliert sich jedoch darin, dass man es als Gesamtprojekt kaum zu fassen bekommt. 

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