Distance Over Time

Distance Over Time

Dream Theater

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Album Nummer 14 der Ausnahme-Prog-Rocker. Nach Personalwechsel und Rockoper zurück zu den Wurzeln?

Dreißig Jahre Traumtheater. Dreißig Jahre 10-Minuten-Songs, Double-Bass-Kanonaden und Wahnwitz-Gitarrensoli. Zwischendrin Personalwechsel, kreative Krisen und eine Rockoper. Von außen fragt man sich als Zuhörerin oder Beobachter oft: wohin denn jetzt noch? Ist man nicht irgendwann eingefahren, schreibt die selben Songs, hat die gleichen Abläufe? Jeder darf mal Solo, wir machen drölf Taktarten und Tonartwechsel pro Song, drei Mal laut, drei Mal leise - fertig.

Album Nummer 14 ist Distance Over Time. Mit den Singles "Untethered Angel", "Paralyzed" und "Fall into the Light" hatte man schon einen guten Eindruck gewinnen können, wohin die Reise bei den Träumern dieses Mal geht. Vorgänger-Album "The Astonishing" hatte die Fangemeinde mit dem Versuch eine Rockoper zu kreieren mit über zwei Stunden Spielzeit gespalten. Distance Over Time kommt mit erheblich kürzerer Dauer daher und ist viel direkter und zugänglicher.

Gut, ein 9-minüter hat es mit "At Wit's End" auch noch drauf geschafft, aber insgesamt wirkt alles weniger umständlich, weniger um den heißen Brei. Auch wenn der Song der längste ist, langatmig ist er nicht. An vielen Punkten illustriert er sogar am besten, dass Dream Theater offensichtlich ernom Spaß bei der Albumaufnahme hatten. Nichts klingt bemüht, die Songparts fließen ineinander, jeder darf mal. 

Und was gibt es schöneres als Musikern zuzuhören, die es geschafft haben, den Spaß am Zusammenspiel auf Platte zu pressen. Bei allem Lob muss aber gesagt werden, dass bei einer Band, wo es immer auch im die Darbietung der technischen Finesse  geht, mittlerweile sehr ins (Pardon) Ohr sticht, wie weit Stimme und Text hinter den Instrumentalisten zurückfallen. James Labrie gibt sich größte Mühe, aber oft bekommt man das Gefühl, dass sich die Harmoniesektion von Gitarrengott James Petrucci und Keyboard-Zauberer Jordan Rudess was größere harmonische Sprünge betrifft ganz schön bremsen muss. Das bremst eben auch die Möglichkeiten der Weiterentwicklung.   

Aber wenn es eine Band gibt, die die Musikjournalistenklischeephrase "Stillstand auf höchstem Niveau" quasi gepachtet hat, dann sind das Dream Theater. Die Musiker sind einfach zu gut, um wirklich schlechte Musik zu machen. Alles in Allem ist das Album eines geworden, was ein Jahrzehnt voller Umbruch und Experimente für Dream Theater mit einer fulminanten Rückkehr zu den Wurzeln abrundet, das viele enttäuschte Fans besänftigen, aber auch wenig neue gewinnen wird. Muss es auch nicht. 

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