Eminem Music To Be Murdered By (Eminem Album 2020)

Eminem - Music To Be Murdered By

Redaktionswertung: 
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Dass Eminem rappen kann, bestreitet niemand. Auf "Music To Be Murdered By" beweist er es trotzdem noch einmal. Zum Gähnen.

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Was mit "Kamikaze" 2018 so gut funktioniert hat, wiederholt Eminem mit "Music To Be Murdered By". Sein elftes Studioalbum erscheint ohne Ankündigung und versetzt Fans und Musikredaktionen in helle Aufregung. Ein cleverer Schachzug, denn monatelang gefütterte Erwartungshaltungen wie beim Kritikerflop "Revival" bleiben dadurch aus. Die Dankbarkeit für neue Musik wiegt schwerer.

Im Intro "Premonition" klagt Eminem über heuchlerische Journalisten, denen er es nicht recht machen kann. Der Name des Musikmagazins Rolling Stone fällt – das erste Opfer, das auf "Music To Be Murdered By" Eminems zurückgewonnene Aggressivität zu spüren bekommt. Und so steht er auf dem Cover mit der Schaufel in der Hand bereit, um Gräber auszuheben. Die Anspielung auf Alfred Hitchcock ist gewollt. In zwei Skits kommt der Regisseur sogar selbst zu Wort.

Die Seitenhiebe fallen nicht immer offensichtlich aus. Auf "I Will" reicht es ihm, Dreiviertel von Slaughterhouse zu featuren. Erzfeind Joe Budden durfte seine drei Bandkollegen nicht ins Studio begleiten. Das sitzt. Weitere Zielscheiben sind unter anderem Nick Cannon, Machine Gun Kelly, Lord Jamar, Tee Grizzley und in bewährter Tradition die Familie – in diesem Falle vertreten durch den Stiefvater.

Stream: Eminem - Music To Be Murdered By

"I'm contemplating yelling 'bombs away' on the game / Like I'm outside of an Ariana Grande concert waiting", heißt es in überzogener Battle-Rap-Manier auf "Unaccommodating". Respektlos nannte Manchesters Bürgermeister Andy Burnham diese Zeile, die auf die Terroranschläge von 2017 bei einem Konzert von Ariana Grande anspielen. Schockieren wie vor 20 Jahren – heute wirkt es nur noch ermüdend.

Dabei müsste es Eminem besser wissen, wie er sechs Lieder später beweist. In "Darkness" nimmt er die Perspektive von Stephen Paddock ein, der 2017 auf einem Musikfestival in Las Vegas 58 Menschen tötete. "Here I am, alone again / Can't get out of this hole I'm in", rappt er und spielt damit auch auf seinen eigenen mentalen Zustand an. “When will this end? When enough people care", heißt es am Ende des dazugehörigen Musikvideos bezogen auf die laschen Waffengesetze in den USA.

Dass Eminem bei der Wahl seiner Beats häufig ein unglückliches Händchen beweist, zeigt auch "Music To Be Murdered By". Selbst Dr. Dre – der erstmals wieder als Schirmherr über die Albumproduktion wachte – hält den Mischmasch aus unterschiedlichen Stilen nicht zusammen. Reggae-Grooves ("Farewell"), uninspirierte Trap-Beats ("Unacommodating") und Fremdschäm-Momente mit Ed Sheeran – die ständige Gratwanderung zwischen rohem Rap und Pop lässt an Eminems Geschmackssicherheit zweifeln.

Als Eminem um die Jahrtausendwende im Mainstream aufschlug, galt er als Vorzeigerüpel der weißen Unterschicht. Bis dato füllte diese Rolle im Rap niemand so gut aus wie der Detroiter. Im Laufe der darauffolgenden Dekaden kamen neue musikalische Spielarten hinzu. Eminem blieb Eminem. Fehlenden Innovationen stellt er seitdem ein streberhaftes Handwerk gegenüber. Lyrisches Talent und Schnell-rap-Rekorde machen mangelnde Visionen allerdings nicht wett.

Dennoch: Näher als mit "Music To Be Murdered By" kam Eminem schon lange nicht mehr an das heran, was sich Fans von ihrem Idol wünschen. Der 47-Jährige rappt sich in einen Wahn, der sowohl seine meisterhafte als auch geschmacklose Seite hervorbringt. Nächsten Monat wird sich für diese Platte trotzdem niemand mehr interessieren.

Video: Eminem - Darkness

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