Fat White Family – Sers Up! (Album Cover)

Fat White Family - Sers Up!

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Das dritte Album der Provokateure Fat White Family setzt weniger auf Krawall, denn auf einen dronigen Genre-Mix, unter dessen Oberfläche es aber immer noch gefährlich und schillernd brodelt.

Der minimale Electro-Opener "Feet" gibt das Programm von "Serfs Up!" vor, denn er zitiert einmal mehr das große Vorbild Mark E. Smith von The Fall, aber zugleich fühlt man sich bei dem reduzierten Gesang auch an Leonard Cohen erinnert, während der Sound im Stile von Primal Screams "XTRMNTR"-Album vor sich hin grummelt.

Video: Feet

Angepasst ist die "fette weiße Familie" aber noch lange nicht, wie das Stück "Vagina Dentata" beispielsweise zeigt: Hier führen sie den "alten weißen Männern" das titelgebende Symbol für Kastrationsangst auf einem entspannten Piano-Beat vor und singen an der Bar die giftigen Zeilen "Yes, I’m everything you ever wanted to become / but did not have the courage to be".

Der Sound ist insgesamt recht gedrosselt auf "Serfs Up!", vom ersten Track an fühlt man sich von einem groovenden Beat eingelullt, ab und an schweben ein paar Streicher, Saxofone oder Synthie-Läufe wie in einem Fiebertraum vorbei.

Video: Tastes Good With The Money

Die Band, die ihr Debüt "Champagne Holocaust" genannt hat, setzt in Sachen Schocktherapie nun eher auf Selbstdisziplinierung im Sound und schockt Fans wahrscheinlich nur noch durch die zugänglichen, tanzbaren funkelnden Pop-Perlen. Gut, man muss diese immer noch aus einem sandigen Dreckhaufen pulen, aber dann strahlen sie umso mehr.

So klingt ein Song wie "Fringe Runner" nach dem Rave von S’Express, bei dem jedoch immer wieder jemand aus Spaß die Notbremse zieht und "Oh Sebastian" erinnert an den opulenten Pop Pulps auf "This Is Hardcore". Fat White Family gelingt damit eine schmierige Subversion des Pop voller Zitate und Zerrbilder: Als ob man im zuckenden Disco-Licht die Schatten von Bryan Ferry, Mark E. Smith und Jarvis Cocker neben sich tanzen sieht. Dazu dröhnt aus der scheppernden Anlage Electrofunk, Droniges sowie Loungiges und Discopop.

In diesem Sinn trotzen Fat White Family erneut den Konventionen ohne sich in der ewig selben Krawallmasche zu verfangen.

Fat White Family Live 2019

02.06.2019 Hamburg (Molotow)

03.06.2019 Berlin (Bi Nuu)

Fat White Family – Sers Up! (Album Cover)

Fat White Family

2011 gründete sich die Post-Punkband Fat White Family um Frontmann Lias Kaci Saoudi und seit Beginn steht ihr Name für provokanten Sound, provokante Texte und provokante Bühnenshows.

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