Fettes Brot - Lovestory (Artwork)

Fettes Brot - LOVESTORY

Redaktionswertung: 
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Ein komplettes Album über die Liebe machen zu wollen, kommt normalerweise einer Selbstsabotage der eigenen Karriere gleich. Glücklicherweise müssen Fettes Brot der Welt nicht mehr viel beweisen und so ist "LOVESTORY" genau das geworden, was man erwarten konnte: ein solides Pop-Album. 

Ein Album über die Liebe? Bahnbrechend. KI-Liebe, Tinder-Wahnsinn und Instagram-Narzissmus? Kennen wir doch längst alles von "Black Mirror". Spaß beiseite, "LOVESTORY" mit dem gängigen "Alternde Rapper machen nochmal irgendein Album"-Tonus zu behandeln, wäre weder Fettes Brot, noch den stärkeren Momenten dieses Albums angemessen. Dafür präsentiert sich das Trio auch knapp 30 Jahre nach der Gründung noch zu stilsicher und vor allem - im Kontext Hip-Hop-Veteranen durchaus eine Erwähnung wert - unpeinlich. Und das mag bei einem Album über Liebe erfahrungsgemäß etwas heißen. 

Mit einem Mix aus Elektro-Pop, musikalischen Earth, Wind & Fire-Zitaten und Throwback-Scratch-Einlagen hat man sich für das neunte Studioalbum zwar ein Hip-Hop-verwandtes Soundbett gebaut, bei vielen Fans dürfte man zum jetzigen Zeitpunkt aber die meisten Sympathien verspielt haben. Dafür schmerzen viele der Reime und Soundentwürfe einfach zu sehr im Rap-Herz. Das ist aber kein Problem, denn "LOVESTORY" schämt sich keine Sekunde dafür, ein Pop-Album mit massig Radiopotenzial zu sein. Und sind wir ehrlich, deutschen Pop über Liebe hört man doch immer noch lieber von Fettes Brot als von den gängigen Radiostimmchen, oder?

Mit "Du driftest nach rechts", "Denxu" oder "Opa + Opa" beweisen die Brote recht schnell, dass sie auch 2019 nichts von ihrem Witz und Charme eingebüßt haben, gleichzeitig gibt's aber auch oft genug musikalischen und lyrischen Leerlauf zu hören. Dass sie hier nicht das ganz große Ding abgeliefert haben, wussten Fettes Brot wohl selbst. Dass das auch nicht mehr das Ziel sein muss, wissen wir alle.

"LOVESTORY" ist ein solides Album, das vor allem zeigt, dass Dokter Renz, König Boris und Björn Beton nach wie vor viel Spaß an ihrer eigenen Musik haben. Einziger Wermutstropfen: den perfekten Albumtitel hat sich Vierkanttretlager-Frontmann Max Richard Leßmann mit "Liebe in Zeiten der Follower" bereits 2017 gesichert. 

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