Genetikk Yala

Genetikk - Y.A.L.A

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Einstmals sorgten Genetikk mit frischen Soundideen für Begeisterungsstürme unter Fans und Kritikern. Inzwischen scheint es, als hätte die Crew ihren Zenit überschritten.

Quo vadis, Genetikk? Nicht mehr viel übrig vom Glanz der einstmaligen Deutschrap-Speerspitze, die mit "Voodoozirkus" und "D.N.A." vor einigen Jahren zeitlose Klassiker platzieren konnte. Die Wu-Tang-Soundästhetik gepaart mit einer gepflegten Dosis Arroganz und betonter Lässigkeit machte bis 2013 nahezu jeden zum Fan, der mit deutschsprachigem Rap auch nur irgendetwas anfangen konnte. Nach drei eher blutleeren Veröffentlichungen, ein Klassikeraufguss in Form von "D.N.A. 2" inklusive, legt die Crew nun ein Album wie ein Versprechen vor: "Y.A.L.A", You Always Live Again.

Überschattet wird das Release von Genetikks kruder Medieninszenierung in den letzten Monaten. Nicht weniger als die Genialität Picassos will das Künstlerkollektiv gepachtet haben und betont in Interviews ein ums andere Mal die Relevanz ihrer musikalischen Legacy. Es scheint, als hätten sich Karuzo, Sikk & Co. auf die Fahne geschrieben, den kanye'esken Spirit aus Übersee auch in die hiesige Szene zu holen, sowohl in Sachen Größenwahn als auch Provokation -  etwa via Twitter-Vorschlag, das Swastika-Symbol doch mal wieder positiv zu besetzen.

Video: Genetikk - "Wake Up"

Ziemlich fader Beigeschmack also beim Hören von "Y.A.L.A", das dann so spannend gar nicht ist. Vor sich hin plätschernde Samplebeats untermalen Karuzos zigfache Schilderungen von Beischlaf auf Hotelzimmern und den üblichen Statussymbolen. Ja, Genetikk verweigern sich dem Playlist-Wahn mit streamingoptimierten Beatdrops nach 30 Sekunden, doch erklärt das nicht, warum sich wirklich kein einziger Song nachhaltig im Gedächtnis oder Ohr festsetzen will. Auch nach mehreren Durchläufen bleiben die zwölf Anspielstationen seltsam beliebig.

"Y.A.L.A" fehlt Dynamik, Tempo, eine zündende Idee oder schlichtweg der Biss. Genetikk wirken auf ihrem siebten Album mit sich zufrieden, aber gelangweilter denn je. So büßen sie ein weiteres Mal von ihrem bereits schwindenden Renommee ein. Es scheint nicht, als könnte sie das in ihrer Exzentriker-Blase erreichen.

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