Goldfrapp - Silver Eye

Silver Eye

Goldfrapp

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

These: Nach sieben Alben beginnt eine Band unweigerlich damit, sich zu wiederholen. Gegenthese: Das siebte Album von Goldfrapp!

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Es wirkt, als sei das bisher musikalisch eher hafenlose Duo endlich angekommen. Nach fast zwei Jahrzehnten voller Neuerfindungen und ständigem Winden zwischen dem klaren Songwritertum von Madame Allison Goldfrapp herself und den ausgefeilten, sphärischen Produktionen ihres Mitmusikers Will Gregory, klingen die beiden Londoner mehr nach sich selbst als je zuvor.

“We’ve got life/ We’ve got love/ Become the one/ You know you are” – Become The One

Auf “Silver Eye” knarzen die Synths zwar wieder wie in Goldfrapps Dancepop-Hochzeiten der frühen 00er und ihren Alben “Black Cherry” und “Supernature”, aber unter dieser Oberfläche, die nach alten Zeiten klingt, zelebrieren sie eine neue Tiefe in ihrer Musik.

Überspitzt gesagt degradiert “Silver Eye” all ihre alten Werke zu Fallstudien. Trip-Hop wurde getestet. Folktronica wurde getestet. Elektropop wurde getestet. Einiges war gut. Einiges war eher mittel. Jetzt wird das Beste kombiniert.

So ist der geradlinige Dancefloor-Opener “Anymore”, mit seiner unwiderstehlichen “Back to the roots”-Attitüde, eine reine Finte. Hinter der offensiven Fassade der ersten vier Albumminuten öffnet sich in den kommenden neun Tracks kein schimmernder Dancefloor. Stattdessen beleuchtet Goldfrapp einen Abgrund nach dem anderen – textlich, wie auch musikalisch.

“Silver Eye” bleibt stets tanzbar, aber aus schriller Party-Euphorie wird nach und nach fast unbemerkt immer mehr melancholischer Befreiungstanz, bis sich jegliche Anspannung im dunklen Synth-Opus des letzten Songs, “Ocean”, eindrucksvoll Bahn bricht.

Goldfrapp erfinden sich auf “Silver Eye” nicht neu. Nein, vielmehr schließen sie erst mit diesem Album die grundlegende Erfindung ihrer selbst ab. 

Würden sie morgen entscheiden, nie wieder Musik zu machen, ihre Karriere hätte eines der würdigsten Enden der Musikgeschichte. Aber so einfach machen sie es sich sicher nicht.

"Silver Eye" von Goldfrapp erscheint am 31. März 2017 via Mute/Goodtogo.

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