Goldroger - Avrakadavra

Avrakadavra

Goldroger

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Goldroger schlägt mit seinem Debütalbum „Avrakadavra" eine wackelige Brücke zwischen Deutschrap und 70er-Rock und überquert sie mit dem Mut der Jugend traumwandlerisch sicher.

Download & Stream: 

Als Newcomer im Hip-Hop-Game die derzeit dominierenden Deutschrap-Strömungen zu ignorieren, kann erfolgstechnisch zwar ordentlich nach hinten losgehen, birgt aber auch die Möglichkeit des Überraschungscoups. Bei Goldrogers „Avrakadavra" kann man ruhig auf letzteres hoffen.

Er erzählt nicht von der vermeintlich harten Wirklichkeit auf der Straße, er schwebt nicht realitätsfern in der Cloud. Der Sound, welcher dem Produzenten-Duo Dienst&Schulter aus Köln zu verdanken ist, setzt sich vielmehr aus dem progressiven Rock der 70er und aktuellen Rap-Pop-Einflüssen von OK KID oder Maeckes zusammen und agiert so als eigenständiges Klangbild hinter Goldrogers lässiger Nerd-Nice-Guy-Attitüde. Der für Fans schon länger bekannte Track „Perwoll“ ist dafür das beste Beispiel.

Goldroger - Perwoll

Diese angenehme Melancholie ist Teil des gesamten Albums und generiert mal träumerische, mal schmerzliche Momente. Goldroger selbst sagt, dass „Avrakadavra" eine Parallelwelt ist, die unter anderem von der „einzig wahren, spektakulär unspektakulär gescheiterten Teenierebellion" erzählt. Und das trifft es ganz gut.

Wer war mit 16 schon der Revoluzzer, wie man es sich immer im Kopf ausgemalt hat? Vielmehr musste man sich doch mit den ewig jungen Gefühlsirrungen herumschlagen, die die eigene Welt auf den Kopf stellen, anstatt die Welt tatsächlich auf den Kopf zu stellen. Wenigstens wollte man niemals ein Reihenhäuschen („Unter Nelken“) und guckt am liebsten Filme mit Rebellen („Friede den Hütten“).

Goldroger gibt sich mit den kleinen Gesten zufrieden, erzählt damit aber große Geschichten. Seine cleveren Lyrics funktionieren aber nicht nur im Umfeld atmosphärischer Traumwelten, sondern auch auf pumpenden Hip-Hop-Tracks. Songs wie „Wir sind da“ oder „M.I.D.A.$.“ lockern die Platte immer wieder auf, fügen sich aber auch nahtlos ins Gesamtbild ein.

Goldroger - M.I.D.A.$.

„Avrakadavra“ dient als kurzweiliger Trip in die eigene Jugend, als entrückt-anonymer Beobachtungsposten auf eine verwirrte Generation - oder schlicht als ein etwas anderes Hip-Hop-Album eines mutigen Newcomers, das unheimlich viel Spaß macht.

„Avrakadavra“ von Goldroger erscheint am 14. Oktober 2016 wie Melting Pot Music.

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