Album

Golf "Playa Holz"

Golf - Playa Holz

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Lässigkeit als Statement

Zwei Jahre sind seit der ersten Single „Geheimnis“ vergangen und die Zeit wurde weise genutzt. Was damals vielversprechend begann, ist inzwischen zum Kunstwerk gereift: auf ihrem Debüt spielen Golf den entspanntesten Pop des Sommers.

Ich liebe Hockey im Zimmer
Mit Frauke im Tor
Ein wildes Spiel um Liebe, ein hartes Spiel

Das sang die wunderbare Band Palais Schaumburg zu Glanzzeiten der NDW vor über drei Jahrzehnten. Heute sind Umgangsformen gemäßigter und aus dem wilden Hockey wurde freundliches Ping Pong. Das ewige zwischenmenschliche Hin und Her jedoch scheint noch immer das gleiche:

Komm mit mir, ich spann mit dir das Netz
Wir spielen Ping Pong
Wir spielen
ein schönes Spiel um Liebe, ein hartes Spiel

Name: Golf. Wohnsitz: Köln. Mission: Lässigkeit als Statement.

Auf „Playa Holz“ prallt aufeinander, was im ersten Moment nicht so recht passen will. Disco und feine Elektronik mit französischer Eleganz treffen auf Vocals mit NDW-Charme. Aus der Fusion erwächst ein so geschmeidiger Sound, dass mich schon nach kurzer Zeit nur noch die eigene anfängliche Verwunderung irritiert.

Der Funk liegt dieser Band im Blut, cooler geht es kaum noch. Das verbissene Streben nach dem ultimativen Hit geht diesen zutiefst entspannten Songs völlig ab und es ist genau diese Leichtigkeit, die das Album auszeichnet.

Während regelmäßig neue Acts mit gewaltigem Hype als Retter der deutschen Musik über den roten Teppich gejagt werden, schlendern Golf gerade ganz relaxt zur Hintertür herein und bestellen schon mal Gin Tonic. Oder irgendwas mit Schirmchen, passend zum Sound. Dann fangen sie an zu spielen und ziehen scheinbar mühelos ein flauschiges Kaninchen nach dem anderen aus dem Hut.

Nach Dir bin ich süchtig
Ohne Dich geht es nicht
Ich will nur Dich
All das weiß ich, und all das glaub ich
weil Du es sagst

Die Beats sitzen, die Melodien fliegen schwerelos dahin. Hat man sich in Erinnerungen an The Whitest Boy Alive, Phoenix und The Virgins gerade gemütlich eingerichtet, kann man sich sicher sein: eine Textzeile, ein Akkord oder ein Sample grätscht dazwischen um den Frieden zu stören.

Nicht umsonst nennt die Band ihren Sound „Dada Disco“. Der Name verpflichtet. Beispiel: „Macaulay Culkin“. Wer einen Song mit einem derart besoffenen Keyboard beginnt ist entweder nicht ganz dicht oder hat den Pop wirklich verstanden.

„Playa Holz“ tropft aus den Lautsprechern wie Wassereis im Hochsommer. Bunt, verlockend, manchmal vielleicht etwas zu süß hier und da. Doch bei deidem gilt: hat man einmal probiert, kann man nicht mehr aufhören.

Große Klugheit liegt im „weniger ist mehr“-Modus der Band. Die Ideen dürften atmen, werden nicht grundlos verheizt. Manches bleibt eine skizzenhafte Andeutung und lässt den Songs genügend Raum um mit jedem Hören zu wachsen.  

Hier versucht sich eine Band an nicht weniger als dem perfekten Popsong. Nicht viele kommen diesem Ziel derzeit so nahe. Applaus für „Playa Holz“, Liebe für Golf. Mehr davon, bitte!

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