The Good, The Bad & The Queen – Merrie Land

The Good, The Bad and The Queen - Merrie Land

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Ganze elf Jahre nach ihrem hochgelobten Debüt-Album beschäftigen sich The Good, The Bad & The Queen wieder mit dem Zustand ihrer britischer Heimat und besingen mit nostalgischen Mitteln das einstige "Merrie Land" und heutige "Misery England".    

Nostalgischer Leierkastensound untermalt den lakonischen Titeltrack "Merrie Land" des zweiten Albums der so genannten Supergroup, bestehend aus Damon Albarn (Gorillaz, Blur), Paul Simonon (The Clash), Tony Allen (u.a. Fela Kuti) und Simon Tong (The Verve) und diesmal Produzent Tony Visconti (David Bowie). Das gute alte England wird also nicht nur mit Vintage-Sounds zwischen Sixties-Romantik oder soundtrackartigen Schwelgereien angesprochen, sondern auch durch die altertümliche Schreibweise von "merry" evoziert.

Im Clip zur Single "Merrie Land" sehen wir einen unheimlichen Bauchredner, die Figur ist eigentlich Albarn, dem eine handgertigte jedoch elastische "Maske" auf das Gesicht gelegt wurde. Der Damon-Dummy spielt dann auch in dem zweiten Release "Gun To The Head" eine Rolle und man wird das Gefühl nicht los, hier stets in die schwarz-weiße Filmversion eines Landes zu blicken, dass sich in der Gegenwart irgendwie zwischen Hochglanz- und Mainstream-Movies verirrt hat.

Video: Merrie Land

Die antiquierte Ästhetik beider Clips, die irgendwie vergangenheitstrunkene Stimme von Sänger Albarn, der zuweilen auf "Merrie Land" sehr nach dem anderen sehr englischen Britsänger Jarvis Cocker von Pulp klingt und die Retro-Seligkeit der Songs zwischen Walzer- und Reggae-Anleihen führen dazu, dass das Album wie eine Abschiedsbrief-Korrespondenz zwischen Großbritannien und Brexit-Gegnern klingt: In ihm wird neben der allgegenwärtigen nostalgischen wie melancholischen Stimmung auch reflektiert, was es eigentlich heißt, britisch zu sein und welche Identität einem in der Zukunft noch bleibt.

Video: Gun To The Head

Auf den Punkt gebracht wird diese musikalische wie textliche Identitätssuche in den Zeilen "If you’re leaving please still say goodbye / And if you are leaving can you leave me / My silver jubilee mug / My old flag / My dark woods / My sunrise". So ist "Merrie Land" letzten Endes auch ein Liebesbrief an ein Land, dessen exzentrische Art zum einen zur Abschottung führen kann oder aber zur Offenheit.

The Good, The Bad & The Queen (im Prinzip also alle metaphorischen Vertreter der britischen Gesellschaft) plädieren für Letzteres und singen im Titelsong "This is not rhetoric / It comes fromm y heart / I love this country".

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