Gorillaz Humanz Artwork

Gorillaz - Humanz

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Jetzt ist es da, aber was kann es? Das neue Gorillaz-Album bricht mit der Albarn'chen Tradition und rückt erstmals andere Künstler stärker in den Fokus. Geht das gut?

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Sechs Jahre Pause und dann kam die Sintflut: Damon Albarn erweckt seine Comicband Gorillaz wieder zum Leben. Die Idee, die dem Blur-Frontmann beim MTV schauen mit seinem Freund Jamie Christopher Hewlett vor fast zwanzig Jahren, ob der immer gleichen, plastisch und unorganisch zusammengestellt Bandformationen der Neunziger kam, ist eine einzige Erfolgsgeschichte.

Das Album „Plastic Beach“ definierte den Sound des digitalen Zeitalters, lotete die Grenzen der Popmusik aus und lieferte neue Ansätze, in welche Richtung es vielleicht einmal musikalisch gehen kann. Kurzum: Ein Meisterwerk.

REVIEW: Gorillaz – Plastic Beach

Jetzt steht das neue Album „Humanz“ in den Plattenläden. Albarn selbst sagt, die aktuellen politisch-gesellschaftlichen Ereignisse und nicht zuletzt das „US-Wahltheater“ haben ihn dazu veranlasst sich vorzustellen, was mit der Welt passiert, sollte Trump die Wahl wirklich gewinnen. Wohlgemerkt bevor die ganze Misere seinen Lauf nahm.

Die allumfassende Antwort ist Zusammenhalt. Und das kommt der musischen Kooperationsbereitschaft Albarns sehr entgegen. 2D, Noodle, Murdoc und Russel Hoobs bekommen Gesellschaft und die Hütte ist brechend voll mit kleinen und großen Gaststars. Mehr Artists als Songs sind auf "Humanz" zu finden, Stillstand also ausgeschlossen! Den Kollaborationsreigen eröffnet dabei Vince Staples mit „Ascension“.

Auch die Hip-Hop-Legenden von De La Soul sind mit dem amtlichen Clubbanger "Momentz" am Start. Harte Technobeats unterlegen die Texte, alles wirkt irgendwie fremd, funktioniert aber trotzdem. Ein Revival der Mash-Up-Songs!? Vielleicht. Wodurch „Humanz“ aber vor allem glänzt ist die Freude am Stilbruch. Soul, Reggae, Hip-Hop, House, Pop: Auf der neuen Platte gibt es nichts, was es nicht gibt.

Dadurch wirkt „Humanz“ eher wie ein Mixtape und weniger wie ein kohärentes, in sich schlüssigen Album. Dabei versucht Albarn dennoch eine Geschichte zu erzählen.

Und die dreht sich um nichts geringeres als den Zustand der Welt. Jeder Gaststar, ob De La Soul, Vince Staples, Grace Jones oder Mavis Staples oder Danny Brown: Jeder thematisiert das auf seine eigene, ganz individuelle Weise. Das wird überhaupt nur möglich, weil Albarn ihnen den Freiraum dazu lässt.

Er sieht sich als „Architekt“ der in einer „supporting role“ zwar omnipräsent, aber sympathisch zurückhaltend agiert. Dadurch fehlt ein bisschen der rote Faden, minder schlecht sind die einzelnen Nummern an sich natürlich deshalb nicht.

Wir sagen: Weniger Album, dafür ein extrem starkes Mixtape.

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