The Now Now

Gorillaz - The Now Now

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Bei den Gorillaz herrscht Umbesetzung. Auf dem neuen Album "The Now Now" scheinen gleich mehrere Charaktere der fiktiven Band verschollen zu sein. In unserer Review lest ihr, weshalb dies nach "Humanz" jedoch genau der richtige Schritt gewesen sein könnte.

Video: Gorillaz - Humility

Sieben Jahre Wartezeit zwischen "The Fall" und "Humanz" und nun soll nach einem knappen Jahr schon der nächste Streich folgen? Nein, Damon Albarn liefert hier keinen unüberlegten Schnellschuss, sondern lässt vielmehr alte Gewohnheiten wieder aufleben. Das oftmals kritisierte "The Fall" erschien als reine Tourbusproduktion kurz nach dem legendären "Plastic Beach" - und auch das neue Album "The Now Now" ist die Tourbus-Ergänzung zu "Humanz".

Kein großes Projekt, lediglich die Möglichkeit in der Festivalsaison neues Material zu präsentieren - Sunshine-Pop mit leichtem Roadtrip-Feeling. Mit diesem Tonus hat Albarn das neue Album angepriesen, auch wenn sich einiges davon anhören dürfte, als wolle er das Album bereits vor der Veröffentlichung in Schutz nehmen.

Im fiktiven Comicuniversum der Gorillaz kam es seit der Veröffentlichung des letzten Albums scheinbar zu einigen Tumulten. Bassist Murdoc Niccals sitzt aufgrund krimineller Machenschaften im Gefängnis und wurde kurzerhand durch Ace - bekannt aus der Zeichentrickserie "Powerpuff Girls" - ersetzt. So weit, so gut.

Tatsächlich machen wir uns aber um einen anderen Charakter der Band große Sorgen. Denn bereits nach den ersten Songs der neuen Platte fällt auf, dass Sänger Stuart „2D“ Pot ebenfalls verschollen scheint. Denn die Stimme, die wir auf "The Now Now" hören, bewegt sich fernab vom geliebten Comickosmos und gehört einer uns sehr wohl bekannten Person: Damon Albarn. 

Wo auf "Humanz" noch die Welt mit all ihren Problemen im Vordergrund stand, verhält sich das neue Album wesentlich selbstbezogener. Damon Albarn rückt sich selbst und seine Gefühlswelt in den Fokus und scheint im Zuge dessen auch sein Comic-Alter-Ego "2D" vom Mikro verbannt zu haben. In einigen Momenten scheint sein rebellischer Einfluss durch, doch die Neubesetzung lässt die Vermutung im Raum stehen, dass wir es hier doch viel mehr mit einem Albarn-Soloalbum, statt mit einer neuen Gorillaz-Platte zu tun haben.

"The Now Now" verzichtet auf die Feature-Flut und das ungebändigte Genre-Gewitter des Vorgängers. Albarn scheint verstanden zu haben, dass er nicht jeden zeitaktuellen Trap-, Rap- oder Elektro Pop-Einfluss aufgreifen muss, um ein funktionierendes Album zu schaffen. Denjenigen, die am, stellenweise kontrollierten, Chaos von "Humanz" ihren Gefallen gefunden haben, wird "The Now Now" jedoch zu eintönig erscheinen.

Die großen Experimente bleiben im heimischen Studioschrank verstaut, die Tourbusumgebung hat tatsächlich ein sommerliches Album entstehen lassen, welches sich zwar keineswegs musikalisch, jedoch gefühlstechnisch mit den letzten Veröffentlichungen von Jamie xx oder Roosevelt vergleichen lässt. 

"Humanz" hat uns den Weltuntergang in der Trump-Ära vorgestellt. Unklar bleibt jedoch ob uns der Sound von "The Now Now" mitteilen will, dass es doch noch Gutes auf der Welt gibt, oder stattdessen mit verrücktem Lachen bereits im postapokalytischen Zustand schwebt.

Visualizer: Gorillaz - Hollywood (feat. Snoop Dogg & Jamie Principle)

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