55:12

55:12

Gregor Samsa

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Manchmal kommt große Kunst aus den entlegendsten Ecken dieser Welt. Island etwa oder eben Richmond, Virginia. Gregor Samsa sind auf der Suche nach Tiefe und Wahrheit.

Was sagt man nun zu diesem Namen? Das sind entweder Amerikaner oder Gymnasiasten! Doch was zunächst etwas platt daherkommt, macht nach mehrmaligem Hören des neuen Longplayers "55:12" mit einem Mal Sinn, jenseits aller Peinlichkeit. Die Stücke der amerikanischen Band besitzen genau dieses Moment, das auch in Kafka`s Roman zentral ist: Ständige Veränderung. Ähnlich der schottischen Heroen Mogwai oder Sigur Rós erschaffen Gregor Samsa ganze musikalische Welten aus dem Nichts. Töne, die sich langsam ausbreiten, der Rhythmus pulsiert, nur um sich wieder im Nichts zu verlieren. Die Stimmen von Frontmann Champ Bennett und Nikki King umspielen sich. Gitarren mäandern geheimnisvoll hin und her, tauchen auf, verschwinden, zeigen sich mal einnehmend sanft, nur um Sekunden später eruptiv aufzutauchen. Gregor Samsa sind das Gegenteil von Stillstand. Das sie dabei nie hektisch werden, sondern bezaubernd schön und entspannt bleiben ist das große Plus dieser Platte. Der verträumte Teaser "Young And Old" beweist das eindrucksvoll. (cw)

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