Das Grauen, das Grauen

grim104 - Das Grauen, das Grauen

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Pünktlich zu Halloween fährt grim104 die Reißzähne aus. Auf seiner EP "Das Grauen, das Grauen" verbreitet er Angst und Schrecken, indem er als Vampir in den Alltag flüchtet.

Dass grim104 die charismatischere Hälfte von Zugezogen Maskulin ist, bewies er bereits 2013 mit einer Solo-EP. Schon damals erzeugte er mit Beschreibungen aus der mit Drogen verseuchten Provinz eine ausgeprägte Gänsehaut. "Das Grauen, das Grauen" sucht den Schrecken diesmal in alltäglichen Geschichten.

Krankheiten, Gewalt und Familiendramen – grims inhaltliche Palette glänzt durch Vielfalt. Die Themen lassen sich nicht immer auf den Punkt bringen. Dafür nutzt der Wahl-Berliner eine zu verschachtelte Sprache, wenn er beispielsweise in die Rolle von "Graf Grim" schlüpft: "Ich ernte die Felder der Schlacht / die Äcker der Toten, nehme sie Heim / und 1000 Schädel singen im Chor / und ich stimme schreiend mit ein".

"Das Grauen, das Grauen" strahlt die unwiderstehliche Ästhetik eines Horror-Trash-Films aus. Mit düsteren Synthie-Flächen und schweren Bässen klingt die EP, als hätte sie John Carpenter produziert. Tatsächlich haben Blvth, Silkersoft und Kenji451 den elektronischen Teppich geknüpft, der sich perfekt an grims hohe Stimme schmiegt. Loops laufen nicht sotisch durch, sondern verändern sich passend zum Stimmeinsatz.

Dazu erzeugt grim mit seinen Worten Kopfkino. So versetzt er sich in die Situation eines Mannes, der totgeschlagen wird. "Abel '19" endet allerdings nicht mit dem erlösenden Fußtritt gegen den Schädel, sondern mit einem abgeschnittenen Satz: "Alter, bist du bescheuert, was willst du denn jetzt mit dem...". Ob Kain sein Werk vollendet, erfährt der Hörer nicht.

So verstörend geht es auf "Das Grauen, das Grauen" nicht immer zu. In grims Welt verbreiten keine Horrorclowns Angst und Schrecken, sondern der Wohnungsmarkt in der Hauptstadt: "100 Leute, 1000 Miete, ein Zimmer zum Beziehen / die Kreise, der Hölle verlaufen hier oben unter dem Himmel inmitten Berlins".

Gut gelaunt verabschiedet sich niemand von den zehn Anspielpunkten, die sich auf 25 Minuten verteilen. Wer sich dennoch auf "Das Grauen, das Grauen" einlässt, wird mit atmosphärischer Rap-Musik belohnt, die es in dieser Form selten gibt.

Video: grim104 – Graf Grim

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