Uncle Dysfunktional

Happy Mondays - Uncle Dysfunktional

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Von Re-Unions darf bekanntlich nicht allzu viel erwartet werden. Der Opener des Comeback-Albums der Happy Mondays belehrt allerdings eines Besseren.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Großbritannien stand kürzlich Kopf im New-Rave-Hype. Da wurde es Zeit für Originale, eine bisschen Nachhilfe für alle Fakes in Neon-Leggins und bunten Nylon-Trainers. Zeit also für eben jene Band, die Manchester mit ihrer Platte "Bummed" (1988) als "Madchester" taufte. Zeit für die Happy Mondays, Zeit für das Enfant Terrible Shaun Ryder.

Dieser war über die Jahre stets irgendwie präsent, hatte vor zwei Jahren mit "Dare" ein viel gefeiertes Feature auf dem Gorillaz-Album. Und auch die Mondays veröffentlichten für den Film "Goal!" (2005) eine durchaus beachtete Single namens "Playground Superstar."

Zu dritt (neben Ryder, sind noch Bez Berry und Gary Whelan dabei) werden die Mondays mit "Uncle Dysfunktional" am 20. Juli nun elf neue Tracks veröffentlichen. Und um Missverständnissen vorzubeugen: nicht alle sind gelungen, eine Mondays-Platte ohne drogenschwangere Durchhänger wird es also nie geben. Aber "Jellybean" mit Ryders unnachahmlichen Sprechgesang hat ungemein viel Drive, bei "Cuntry Disco" springt einem begleitet von einer Slide-Guitar der Wahnsinn aus den Lautsprechern und "In The Blood" spielt Pop und Rock souverän gegeneinander aus.

Aufällig ist insgesamt die anspruchsvolle Produktion und die Komplexität des Albums. So viel Liebe zum Detail hätte man alternden Popstars nicht mehr zugetraut. Und schon gar nicht, dass es ihnen gelingt, so schwer definierbar und gleichermaßen zeitgemäß wie back-to-roots zu klingen. Der Free-Track "Jellybean" soll an dieser Stelle repräsentativ Beweis führen. 

P.S.
Cineasten sei übrigens Michael Winterbottoms Film "24 Hour Party People" (2002) empfohlen. In ihm wird die Geschichte des legendären Labels Factory Records filmisch aufbereitet - und die Biographie der Happy Mondays bildet dabei en passant einen nicht unwichtigen Handlungsstrang.

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