"Die Zwielicht LP" (Cover)

Haze - Die Zwielicht LP

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Mit einer Hommage an Eminems legendäre „Marshall Matters LP“ legt Haze sein zweites Album nach. Darauf präsentiert der Karlsruher Rapper Hausmannskost auf Rumpelbeats ohne große Überraschungen.

Wenn die Boombap-Welle in fünf oder zehn Jahren zurückkommt, wird das Album als Klassiker gelten”. An Selbstbewusstsein mangelt es Haze kurz vor dem Release seiner „Zwielicht LP“ schonmal nicht. Etwas verbissen gibt sich der Karlsruher in Interviews bei Fragen um aktuelle Deutschrap-Trends: zu weit entfernt vom ursprünglichen HipHop-Gedanken, zu verantwortungslos gegenüber der Jugend. Konsequenterweise entwirft der Rapper auf seinem Zweitling ein Soundbild für Fans der alten Schule und Golden Era-Nostalgiker.

Drums, Snare und ein prägnantes Sample, mehr braucht es meist gar nicht, um Backpacker-Schlüsselreize auszulösen. Über eine großzügige Spielzeit von 17 Tracks platziert Haze seine Flows auf minimalistischen Rumpelbeats, die sich von aktuellen Hypes nicht beirren lassen. Die „Zwielicht LP“ klingt wie eine Bilderbuch-HipHop-Jam samt ausführlichen DJ-Scratches, Hooks zum Mitrappen und viel Platz für „Wo sind die Hände??“-Animationsrufe.

Dabei geraten allerdings manche Songs zu sehr wie vom Reißbrett. Haze zeichnet wie auf dem Vorgängeralbum ein graues Bild von Karlsruhes Straßen, das zwar authentisch, aber nicht wirklich erfrischend ist. Da gibt es wie so oft den Song für die Hood („Einmal Karlsruh, immer Karlsruh“), viel Kushromantik und ausführliche Beschreibungen von tristen Häuserblocks und dem Leben am Limit. Überraschen kann man damit heuer niemanden mehr, aber das Rad neu erfinden möchte Haze sowieso nicht.

Mit „Die Zwielicht LP“ liefert Haze ein grundsolides Rap-Album, das auf dem knisternden Plattenspieler wohl besser funktionieren wird als in der Spotify-Playlist. Gerade die Hörer, die sich in Kommentarspalten unentwegt über die gegenwärtige Deutschrap-Soundlandschaft mokieren, dürften hier eine Insel im Codeinsumpf finden. Nichtsdestotrotz täte auf dem nächsten Release ein wenig Mut zu Neuem gut.

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