100 lbs

100 lbs

Herbert

Redaktionswertung: 
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schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Matthew Herbert ist ein unermüdlicher Visionär, der musikalisch selten an einem Ort innehält. Insofern scheint es fast etwas befremdlich, dass sein erstes Album nach zehn Jahren nochmals veröffentlicht wird. Allerdings nur auf den ersten Blick.

Denn der Re-Release von „100 lbs“ rückt nochmals ins Gedächtnis, was der Brite bereits vor zehn Jahren für wunderbare Musik produziert hat. Freilich auf eine gänzlich andere Weise als dies heute der Fall ist. Mitte der 1990er, zur Hochphase von Techno und dem ersten Drum & Bass-Hype, überraschte Herbert mit einer unheimlich sanftmütigen, organisch-verspielten Seite von elektronischer Tanzmusik. Beschwingte House-Beats, die sich von jeglichen Macho-Klischees lossagten trafen auf unprätentiös soulige Vocals. Im Nachhinein könnte man „100 lbs“ als Herberts Grundessenz sehen, die er nach 1996 schrittweise in ihre einzelnen Bestandteile aufgliederte – der Pop-Appeal zog sich durch viele spätere Veröffentlichungen durch, selbst bei den teilweise überbetonten Anti-Perfomances. Matthew Herbert ist in erster Linie ein begnadeter Musiker, der sich nicht anpassen möchte. Weder an vermeintliche Leitlinien des Musikgeschäfts noch an gesellschaftliche Unzulänglichkeiten. Das Kuriose bleibt aber, dass gerade seine klassischen Tracks wahrscheinlich den breitesten Anklang gefunden haben. Die Wiederveröffentlichung beinhaltet neben dem Album auch acht weitere Tracks aus derselben Zeit. (jw)

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