Blue Songs

Hercules And Love Affair - Blue Songs

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Ganz schön lange hat's gedauert, bis Andy Butler sein zweites Werk nach seinem furiosen Debütalbum mit Hercules And Love Affair fertig hatte. Drei Jahre später erscheint nun "Blue Songs" und schlägt neue und doch altbekannte Töne an.

Nachdem das Debüt mit der Single "Blind", gesungen von Antony Hegarty 2008 aus den Clubs kaum noch weg zu denken war und gerade rechtzeitig zum erneuten Disco-Revival kam, musste Andrew Butler seine Band neu formieren. Antony hatte seine Vocals schon Jahre davor eingesungen und wollte mit dem Album eigentlich gar nichts mehr zu tun haben, schließlich ist seine Solokarriere seitdem extrem erfolgreich in eine ganz andere Richtung verlaufen. Und die transsexuelle Diva Nomi hat inzwischen ebenfalls eine Solokarriere gestartet und stand der Band deshalb nicht mehr zur Verfügung.

An ihrer Stelle hat Butler nun die in Berlin lebende Aerea Negrot als neue Sängerin angeheuert, die die Rolle des durchgeknallten Paradiesvogels übernimmt, sowie den/die geschlechtlich ebenfalls nicht eindeutig zuzuordnende/n Shaun Wright, der/die mit ihrer/seiner Stimmfärbung die Antony-Rolle einnimmt. Weiterhin an Bord ist die lesbische Frontfrau Kim-Ann Foxman, die nun auch bei den Live-Shows deutlich mehr in den Vordergrund tritt als bisher.

Als Produzent stand der erfahrene Wiener House-Spezialist Patrick Pulsinger hinter dem Pult. Die wichtigsten Einflüsse schwuler Club-Kultur stehen weiterhin ganz oben auf der Referenzliste von Hercules & Love Affair: Disco und House. Dazu hat Butler noch ein paar ruhigere Nummern geschrieben, die ganz ohne Funk auskommen müssen. Doch das gehört ganz offenbar nicht zu den großen Stärken des New Yorkers und seiner Sänger. Insofern ist das neue Album eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits führt es eine große, lebendige Tradition fort und zeigt, dass Disco viel mehr ist als "I Will Survive" oder Donna Summer. Andererseits fehlen die Überraschungsmomente und die großen Hymnen, die Hercules & Love Affair auf ihrem ersten Album so unwiderstehlich gemacht haben. Live legt die bunte, schrille Truppe allerdings immer noch eine fabelhaft mitreißende Show hin und steckt damit vieles, was derzeit auf Konzertbühnen unterwegs ist, locker in die Tasche.

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