HVOB - Rocco (Artwork)

HVOB - Rocco

Künstler Bio: 
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Ein Doppelalbum im Jahr 2019? HVOB beweisen spielerisch, dass dieses Format durchaus noch seine Berechtigung hat und wachsen zum Vorbild für ein ganzes Genre heran. 

Video: HVOB - Panama

HVOBs viertes Studioalbum teilt sich ein Releasedatum mit Meros Debüt "YA HERO YA MERO". Musikalisch könnten Anna Müller und Paul Wallner bereits kaum weiter von dem 18-jährigen Rap-Shootingstar entfernt sein, doch auch in konzeptioneller Hinsicht nehmen die beiden Projekte zwei Gegenpole ein. Während sich Mero dem Zeitgeist beugt und sein Album dem Single- bzw. Playlist-Zeitalter ohne Kompromisse unterordnet, geht das österreichische Duo den entgegengesetzten Weg: ein Doppelalbum, 13 Songs, über 80 Minuten Laufzeit. 

Dass es sich dabei wieder um ein Konzeptalbum handeln wird, war nach den vergangenen beiden Alben "Trialog" und "Silk" bereits absehbar. Geschichten über Loslassen, Verabschiedungen und Neuanfänge sollen im Mittelpunkt stehen. Und wer dachte, dass das Album deshalb ruhiger und melancholischer werden würde, hat sich getäuscht. 

Immer dann wenn Anna Müllers Stimme in The xx- oder Soap&Skin-Manier über die Klangflächen huscht ("2nd World" / "Shinichi"), brechen wenige Momente später die Drums und Synthies aus ihren Käfigen aus und liefern mit "Eraser, "Butter" und "Zinc" gleich eine ganze Reihe von Tracks, die ihren Weg in die Berliner Club-Landschaft finden könnten und werden. 

Video: HVOB - Eraser

Wie ein wirklicher Bruch fühlt sich dieser Wechsel zu keinem Zeitpunkt an. Die unterschiedlichen Stimmungen greifen ineinander, haben ihre ganz eigene Atmosphäre und wirken spätestens bei der Kombination der Tracks "Kante", "Go?" und "Tykwer" so, als könnten sie niemals ohne ihr Gegenüber funktionieren. 

Und auch wenn dieses Album besonders aus musikalischer Sicht so viel Spaß macht, hat die oft huschende, manchmal ganz selbstbewusste Stimme besondere Aufmerksamkeit verdient. Denn HVOB zeigen einem kompletten Genre, wie man mit Vocals umgehen kann. Die elektronische Szene hat oft genug damit zu kämpfen, Gesang als gleichbedeutendes Element wahrzunehmen und ihm den nötigen Platz einzuräumen. Positive Beispiele gibt es mit Künstlern wie Monolink oder Jan Blomqvist zwar definitiv, besonders die härteren Spielarten tun sich aber immer wieder schwer damit, sich von den immergleichen Vocal-Samples zu emanzipieren. 

Zwei Stimmungen, eine Atmosphäre - einen besseren Grund für ein Doppelalbum kann es wohl nicht geben. Dabei sind HVOB nicht zwischen den beiden Stilen gefangen, sondern auf dem besten Weg, die Kombination zu perfektionieren. Nachdenklicher, reduzierter Electro oder brechendes Techno-Album?Sie machen beides - und gleichzeitig nichts davon. "Rocco" lässt sich zwar beschreiben, doch nicht treffend in Worte fassen. 

Stream: HVOB - Rocco

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