Ibeyi - Ash Album Review

Ibeyi - Ash

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Mit ihrem zweiten Album werden die beiden kubanisch-französischen Zwillingsschwestern von Ibeyi, was man nach ihrem Erstling kaum für möglich gehalten hatte: noch internationaler.

Nachdem „Ibeyi“ vor zwei Jahren neben Englisch auch zentrale Passagen auf Yoruba enthielt, ist diese in Kuba für die Musik der Santería lebendig gebliebene westafrikanische Sprache auf „Ash“ in einen größeren Kontext eingebettet; der energische Reggaeton „Me Voy“ erklingt auf Spanisch.

Anstatt die kriegerische Muttergottheit „Oyá“ anzurufen wie im gleichnamigen Song des Vorgängeralbums, ist der Tonfall nun bestimmter, politischer: „No man is big enough for my arms“ sampelt Michelle Obamas berühmte Rede, nach der sich jede Gesellschaft daran messen lassen müsse, wie sie ihre Frauen und Mädchen behandelt.

Im Opener werden bulgarische Frauenchöre gesampelt, dazu singen sie immer wieder „I carried this for years“, im Hintergrund sparsames Klopfen und Stöhnen. Diese Kombination aus Intimität und Vehemenz gibt den Ton des ganzen Albums vor.

Wer weiß, wie furios Ibeyis Live-Shows sind, mag sich wundern, warum die beiden Schwestern die unbändige Energie auf ihren Alben gleichsam drosseln. Vom heimlichen Hit „Deathless“, der von der Konfrontation einer der Schwestern mit einem feindseligen Polizisten in Paris handelt und der Anfeindung das Empowerment der eigenen Unsterblichkeit entgegensetzt, wünscht man sich geradezu einen die Euphorie noch steigernden Clubmix, der auch Kamashi Washingtons Saxophon noch weiter anstachelt.

Hinter der Reduktion von „Ash“ scheint jedoch etwas anderes auf: vielleicht ist es der Wille, die Zügel in der Hand zu halten, leise zu bleiben und so in einer anderen, intimeren Sprache zu uns zu sprechen.

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