Ice Cube - Everythang's Corrupt (Artwork)

Everythang's Corrupt

Ice Cube

Redaktionswertung: 
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sehr gut

"Arrest The President" - Ice Cube meldet sich nach acht Jahre musikalisch zurück und zeigt sich bewusst politisch. Doch wie funktioniert das Soundgewand der NWA-Legende im heutigen Rapkosmos?

Audio: Ice Cube - Arrest The President

Eigentlich war "Everythang's Corrupt" auf dem besten Weg, sich der "Detox"-Romantik zu bedienen. Bereits wenige Jahre nach der Veröffentlichung von "I Am the West" im Jahr 2010 erstmals angekündigt, wurde das Album bis zu einem Punkt verschoben, an dem es wohl auch für alle in Ordnung gewesen wäre, wenn es niemals erscheint. 

Nun liefert uns Ice Cube doch noch sein neues Album und lässt uns für einen Moment erschaudern. Eine 49-jährige Rap-Legende, die im Jahr 2018 nochmal ein Album liefern will. Springt er auf den Trap-Zug auf oder versucht, den alten NWA-Vibe zu kopieren? Kann ein Künstler in dieser Position überhaupt irgendwas richtig machen? 

In Deutschland ist Dendemann grade auf dem besten Weg zu zeigen, wie ein gelungenes, unpeinliches Comeback der älteren Rap-Generation verlaufen kann. In den USA präsentiert uns Snoop Dogg seit einigen Jahren das Gegenmodell. Beinahe im Jahresrhythmus erscheinen Alben, die zwar gut gemeint sind, aber weder inhaltlich, noch soundtechnisch irgendwen so recht zu interessieren scheinen. 

An dieser Stelle kann man zum Glück Entwarnung geben. Ice Cube hat weder einen peinlichen Comeback-Versuch geliefert, noch ist an diesem Album irgendetwas "egal". Zwar wirken eingie Instrumentals etwas zu sehr aus der Zeit gefallen ("Bad Dope" / "Still in the Kitchen"), insgesamt macht es aber überraschend viel Spaß, einen aggressiven und angriffslustigen Ice Cube auf Albumlänge zu hören. Klar, ganz so hungrig wie seine "F**k tha Police"-Version kann ein Familienvater mit gefestigter Schauspielkarriere wohl nicht mehr sein, dennoch hat er seine Power nicht gänzlich eingebüßt. 

Audio: Ice Cube - The New Funkadelic

Nachdem zunächst die Single "Arrest The President" erschien, wurde stellenweise ein hochpolitisches Album erwartet. Cube liefert zwar auf den 16 Tracks von "Everythang's Corrupt" jede Menge politische Momente und Kritik, verfolgt aber hier auch eher die alte NWA-Manier: rausbrüllen, bis es jeder weiß. 

Auf weiten Teilen des Albums geht Ice Cube mit harten Beats und einem aggressiven Stil voran. Dabei zeigen besonders "Streets Shed Tears" und "Ain’t Got No Haters" das, was wir eigentlich bereits seit 1992 und "It Was A Good Day" wissen. Ice Cube ist dann am besten, wenn er sich zurücklehnt. 

"Everythang's Corrupt" ist ein solides Album, welches zwar nur eine handvoll echter Highlights, dafür aber auch ebenso wenige Schwächen liefert. Vielleicht ist dieses Album endlich die Genugtuung für all diejenigen, die in jeder Kommentarspalte verzweifelt nach "echtem Rap" schreien und die aktuelle Rap-Generation zu ihrem persönlichen Feindbild auserkoren haben. Auch wenn Ice Cube diese Zuhörerschaft wohl kaum zu wünschen ist. 

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