Isolation Berlin - Vergifte dich

Isolation Berlin - Vergifte dich

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Mit all dem herausgeschleuderten Hass, den Isolation Berlin Begriffen wie Indierock begegnen, schreiben sie auch ihre Songs, die auch auf dem zweiten Album “Vergifte dich” zwischen wütendem Postpunk und melancholischem Suffpop mäandern.

Mit poetischem Post-Punk und depressiv drängenden Gitarren als Waffen gegen den allgegenwärtigen Stumpfsinn begeisterte Isolation Berlin vor zwei Jahren als ihr Debüt „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ erschien. Nun erscheint das klischeemäßig schwierige zweite Album namens „Vergifte dich“.

Und wie umgestoßener Schnaps tropfen die Songs darauf von einem klebrigen Kneipentresen – klare, kalte Erkenntnisse sammeln sich am trist-siffigen Boden und Sänger Tobias Bamborschke „kotzt seine Existenz in U-Bahn-Lüftungsschächte“. Was musikalisch folgt, ist dann der frühmorgendliche Gang aus der Kneipe hinein in die brutale Realität, in dem man von Hass, Verzweiflung bis hin zu Selbstmitleid alles durchlebt.

Der erste Song ist noch getragen von kneipenhafter Schunkelatmosphäre und besoffenen Träumen, wo man noch auf den Serotoninrausch hofft: „Mitten in Berlin träume ich von Wien“ wird darin gesungen und die Zeilen theatralisch wie ein angetrunkener Spelunkensänger bis hin zum übertrieben-grusligen Zittern beim Wort „Vampir“ intoniert.

Die versprochenen Glückshormone werden hier also nicht gerade ausgeschüttet und während man in Wien noch Tauben in Park vergiften geht, entscheidet man sich in Berlin dann doch lieber für das Selbstvergiften. Der Titeltrack des Albums ist ein roher nervöser Nietzsche-Nihilismus-Fiebertraum.

Mit Lust am Leiden und am Selbstmitleid („Ich bin nicht schlecht“ – nur, klar „das Fleisch ist schwach“) wird schließlich der Hass gegen so ziemlich alles herausgeschrien was natürlich doch das stets erfolglos Gesuchte ist: Hass gegen die Liebe, gegen die Treue, gegen die Moral, gegen die Lust – Hass gegen den Hass.

All die Verletzungen, die zu Verzweiflung führen, packen Isolation Berlin in ausgekotzte Songmomente voller nackter Einsamkeit und Intimität, die zuweilen so anstrengend sind wie bei diesem einen Typen an der Bar, zuweilen aber auch berührend wie bei Ton Steine Scherben oder Ja, Panik.

Noisig, punkig, schrammlig und im Falle von „Kicks“ sogar stampfend hittig ergießen Isolation Berlin also ihren Welt-Selbst-Hass über ihr Publikum, das hoffentlich nicht allzu nüchtern – in jedem Wortsinn – zu einem der anstehenden Konzerte geht.

Tourdaten:
15.03. Potsdam - Waschhaus *
16.03. Hannover - Cafe Glocksee *
17.03. Bremen - Tower *
21.03. Weinheim - Cafe Central *
22.03. Frankfurt - Zoom Club *
23.03. Reutlingen - franz.K *
24.03. Erfurt, Engelsburg *
04.04. A-Wien – Fluc
05.04. A-Salzburg – Rockhouse
06.04. Ingolstadt, KAP94
07.04. Zwickau - Alter Gasometer
11.04. Rostock - Helgas Stadtpalast **
12.04. Hamburg - Uebel & Gefährlich **
13.04. Köln - Luxor **
14.04. Osnabrück, Popsalon
18.04. Chemnitz - Atomino *
20.04. Augsburg - Musikkantine *
21.04. Passau - Zeughaus *
25.04. Nürnberg - MUZclub *
26.04. CH-Luzern - Sedel *
27.04. CH-Bern - Dachstock *
28.04. CH-Zürich - Mascotte *
29.04. München - Hansa39 *
30.04. Regensburg - Alte Mälzerei *
01.05. Dresden - Groovestation *
02.05. Fulda - Kulturkeller *
03.05. Essen - Zeche Carl *
04.05. Göttingen - Musa *
05.05. Münster - Gleis 22 *
11.05. Leipzig - Naumanns *
12.05. Berlin - Astra Kulturhaus *
23.05. Düsseldorf - Zakk *
24.05. Wiesbaden - Schlachthof *
25.05. Lingen - Alter Schlachthof *
26.05. Leer - JuZ *

* Support: Swutscher
** Support: Erregung Öffentlicher Erregung

Tracklist:
01 - Serotonin
02 - Vergifte dich
03 - Wenn ich eins hasse, dann ist das mein Leben
04 - Melchiors Traum
05 - Vergeben heißt nicht vergessen
06 - Marie
07 - Antimaterie
08 - In deinen Armen
09 - Die Leute
10 - Kicks
11 - Mir träumte

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