James Blake - Assume Form (Artwork)

James Blake - Assume Form

Künstler Bio: 
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Neue Freunde, neue Liebe, neues Selbstbewusstsein. Auf "Assume Form" hören wir einen anderen James Blake, der zwar aus den bekannten Mustern ausbricht, dadurch aber nichts von seiner musikalischen Schlagkraft einbüßt. 

Video: James Blake - Don't Miss It

2013 hat James Blake der Welt gezeigt, wie guter Dubstep zu klingen hat und dem Genre damit - nach retrospektiv fragwürdigen Jahren - einen würdigen Abschied bereitet. 2016 folgte mit "The Colour In Anything" das große Machwerk, welches letztendlich nur an seiner eigenen Unzugänglichkeit scheiterte und sich damit in die Reihe großer, aber schwieriger Alben fügen lässt, zu denen auch Kendrick Lamars "To Pimp A Butterfly" und Kanye Wests "Yeezus" zählen.

Diese Vergleiche bieten sich an, da Blake in den vergangenen Monaten zu Everybody's Darling der Hip-Hop-Welt herangewachsen ist. Ob Tour-Begleitung von Kendrick Lamar, Bonus-Tracks bei Jay-Z oder die Songwriting-Freundschaft mit Frank Ocean - ausgerechnet die verrufene Rap-Szene lässt Blake seine verdiente Wertschätzung zukommen. Das bisherige Highlight dieser ungleichen Zusammenarbeiten findet sich mit "Stop Trying To Be God" auf dem aktuellen Album von Travis Scott wieder.

Und die neuen Freundschaften ins fremde Genre scheinen Wirkung zu zeigen. Blakes bisherige Alben wirkten wie ein zusammenhängendes, großes und oftmals auch zu schweres Werk - damit ist Schluss. Blake lässt auf "Assume Form" glückliche, zuversichtliche Momente zu und erschafft eine Balance aus Schmerz und Zuversicht. Dabei hat er seine alten Dämonen keineswegs besiegt, er hat nur jemanden gefunden, mit dem er sie bekämpfen kann. 

"While I haven’t been living until now/ Even doing nothing I am making the most of somehow/ And the credit goes to her/ As the bad days become rare/ Gotta keep her in my sights/ Gotta keep her in my life"

Bereits auf "The Colour In Anything" ist Blake hinter seinen schützenden Synth-Flächen und Percussion-Wänden hervorgekommen, auf "Assume Form" geht diese Entwicklung aber mit einem neuen Selbstbewusstsein einher. Blake macht mehr Platz für fremde Einflüsse, gibt sogar einen Teil der Produktion an Trap-Wunderkind Metro Boomin aus der Hand und präsentiert mit Travis Scott, Flamenco-Sängerin Rosalía und allen voran André 3000 Features, die in dieser Konstellation wohl niemand voraussagen hätte können. 

Den Höhepunkt dieses neuen Selbstbewusstseins hören wir auf "Don't Miss It" und "Lullaby for My Insomniac". Ein scheinbar unbeeindruckendes, vielleicht sogar enttäuschendes Ende für ein solches Album, welches doch gerade den Blake-Fans der ersten Stunden einen besonderen Moment bescheren dürfte. Eine Rückbesinnung auf die Anfänge, welche seit jeher am besten auf einer guten Anlage funktioniert haben. 

Stream: James Blake - Lullaby For My Insomniac

Blake schafft es mit "Assume Form" aus den eigenen, wunderbaren Mustern auszubrechen. Er öffnet sich und will sich auf eine neue Art und Weise verständlich und nachvollziehbar machen - nicht nur für uns, sondern besonders für die neue Frau an seiner Seite. Der Schmerz der Vergangenheit ist da, er äußert sich nur anders. 

Die Cover seiner Alben haben die Entwicklung längst erzählt. Vom schützenden Verborgenen, über eine Abstrakte Öffnung, bis hin zur frontalen Ehrlichkeit. Auch wenn Blake nun in vielen Momenten ausgeglichener und zufriedener klingen mag, hören wir ihn auf diesem Album vielleicht zum ersten Mal wirklich ungefiltert. 

Mit "Assume Form" hat sich James Blake nicht nur vom verhassten "sad boy"-Image befreit, sondern sich für die Zukunft endgültig alle musikalischen Türen geöffnet. 

Stream: James Blake - Assume Form

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