JATA - Mexico (Artwork)

JATA - Mexico

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JATA gibt dem Elektro-Pop seine Seele zurück. Hier trifft die energetische Ruhe eines James Blake auf die musikalische Verspieltheit von Gold Panda und Flume.

Video: JATA - Love You (Less)

Der musikalische Background von Jacob Vetter aka JATA liest sich vielversprechend. Der 34-Jährige studierte Jazzgesang, spielte in mehreren Bands, war zwischenzeitlich als Live- und Studiomusiker tätig und produziert zusätzlich für eine Menge anderer Künstler. Nachdem die Single "Don't Feel Like" im letzten Jahr für Aufmerksamkeit gesorgt hat, erfüllt sich der Multiinstrumentalist, Produzent und Songschreiber mit "Mexico" nun endlich den Traum vom eigenen Debütalbum.

Die Inspiration für "Mexico" zog er aus einem sechsmonatigen Aufenthalt in Mittelamerika. Die Stimmung des Albums lässt sich durch den portugisischen Begriff "Saudade" auf den Punkt bringen: Ein Zustand zwischen Wehmut und Melancholie vermischt mit Sehnsucht und Nostalgie. Klangtechnisch präsentiert JATA ein einfaches Elektro-Pop-Gerüst mit verschiedenen Einflüssen aus R&B, Soul und Hip-Hop. Kein Wunder, bewegt sich seine musikalische Früh-Sozialisation doch irgendwo zwischen dem "Golden Age" des US-Raps und Metallica-Covern auf der Gitarre. 

Video: JATA - Monster (Live Video)

Klanglich hebt sich "Mexico" dadurch von der bestehenden Elektro-Pop-Landschaft ab, dass es sich an vielen Stellen die Zeit nimmt, die es braucht. Die Songs wirken unaufgeregt und lassen dadurch eine atmosphärische Ruhe entstehen, ohne dabei aber ihre Energie zu verlieren. Der Titeltrack "Mexico", "What Would You Do" und "Down By The Water" nehmen sich viel Zeit für ihren Intros, bevor sie in ein entspanntes aber interessantes Beat-Gerüst übergehen.

Tracks wie "Saturn" wirken durch ihren Aufbau zwar stellenweise wie Interludes, entgehen dabei aber dem bekannten "Skip"-Charakter solcher Songs. JATA spielt mit verschiedenen Vocal-Stilen ("What Would You Do") und erreicht dadurch - auch wenn seine Stimme an sich nicht besonders auffällig ist - dass der Track "Monster" den unaussprechlichen Vergleich zu einem Michael Jackson andeutet.

Inhaltlich beschäftigt sich das Album mit JATAs Wehmut und dem emotionalen Zwischenzustand beim Wechsel verschiedener Lebensabschnitte. Das Album soll Optimismus und Hoffnung verbreiten, hat jedoch auch düstere und niedergeschlagene Momente. Dies mag nach einem überemotionalen Ansatz klingen und wird durch wehmütige Zeilen wie "Oh Mexico, I don’t want to get over you" zunächst auch bestätigt, funktioniert aber dadurch, dass JATA auf inhatliche Erklärungen verzichtet und dem Hörer die Interpretation der Texte überlässt:

„Zu viel erklären will ich nicht. [...]Wenn man Texte erklärt, nimmt man den Zuhörern immer auch etwas weg. Mir selbst geht es so, dass ich oft enttäuscht war, wenn ein Künstler einen Lieblingssong erklärt hat, der dann plötzlich eine ganz andere Bedeutung hatte als in meinem Kopf.“ 

Elektro-Pop wird im Jahr 2017 leider oftmals mit knallbunten, überlauten Mitgröhl-Songs auf einem EDM-Gerüst asoziiert. JATA zeigt mit "Mexico" wie das Genre eigentlich klingen kann: Unaufgeregt und selbstbewusst. Die verschiedenen Genreeinflüsse und JATAs Gefühl für Songstrukturen machen "Mexico" zu einem der angenehmsten Pop-Momente des Spätsommers.

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