Jay-Z - 4:44 (Artwork)

Jay-Z - 4:44

Redaktionswertung: 
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Der nicht enden wollende Versuch, Tidal auf eine Stufe mit Spotify und Apple Music zu bringen dürfte auch „4:44" wieder einige ungerechtfertige Kritik eingebracht haben. Wenige Tage nach Release folgt der Sinneswandel. Jay-Zs 13. Studioalbum steht plötzlich zum kostenlosen Stream bereit. Grund genug Hovas neuestem Werk die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken?

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Eines gilt es bereits vorwegzunehmen: Jay-Z ist erwachsen geworden. Wo eine solche Entwicklung besonders im deutschen Rap in den vergangenen Jahren vermehrt zu Enttäuschung führte, beweist Shawn Carter, dass eine Rap-Legende auch in Ehren altern kann. Dieser Umstand beschert uns ohne Zweifel eines der besseren Jay-Z Alben des vergangenen Jahrzehnts. 

Musikalisch hat Jay-Z vor allem eine Unart des Vorgängers von 2013 abgelegt. Er hat seinen eigenen Legendenstatus nicht mehr nur textlich verarbeitet sondern gleichzeitig verstanden, dass er keineswegs jeden aktuellen Trend der Rap-Szene abarbeiten muss: Größere Trap-, Afrobeat- oder Cloud Rap-Einflüsse sucht man vergebens, die krachenden Beats á la "Tom Ford" und "Picasso Baby" mussten dieses Mal im Studio bleiben.

Der Fokus liegt auf den Inhalten, das Klangliche weicht in den Hintergrund. Die sample-lastigen Beats bieten kaum abwechslung, zeigen aber gleichzeitig auch eindrucksvoll weshalb Jay-Z nach wie vor zu den ganz Großen gehört: Unspektakuläre Beats - beeindruckende Atmosphäre. 

Video: Jay-Z - The Story of OJ

Und sobald man die textliche Ebene des Albums betrachtet wird schnell deutlich weshalb Jay-Z auf die musikalische Überladenheit des Vorgängers verzichtet hat: „4:44“ ist ein Entschuldigungsalbum. Reue und Selbstreflexion stehen im thematischen Mittelpunkt des Albums. Jay-Z will das eigene Ego überwinden (Kill Jay-Z), sich seine Fehler eingestehen und um Vergebung bitten.

Er präsentiert sich auf seinem 13. Album offener, ehrlicher und persönlicher als jemals zuvor und liefert nicht zuletzt deshalb die passende Antwort auf die Vorwürfe, welche Ehefrau Beyoncé mit ihrem Album-Epos „Lemonade“ ans Tageslicht gebracht hat. Jay-Z bereut seine Fehler und möchte dies auch den Hörer wissen lassen: Alleine auf dem erwähnten Intro-Track fällt das Wort „apologize“ ganze 7 Mal. 

 „4:44“ wird vermutlich niemals in einem Atemzug mit „Reasonable Doubt“ oder „The Blueprint“ genannt werden. Das soll und will es aber auch gar nicht. Es erfüllt vielmehr einen übergeordneten Zweck und öffnet Jay-Z zudem die Tür, auch weiterhin Musik machen zu können ohne vom eignen Altern überrannt zu werden. Eine Entschuldigung in Albumlänge. 

Tracklist:

1. “Kill Jay Z”
2. “The Story of O.J.”
3. “Smile” feat. Gloria Carter
4. “Caught Their Eyes” feat. Frank Ocean
5. “4:44″
6. “Family Feud”
7. “Bam” feat. Damian Marley
8. “Moonlight”
9. “Marcy Me”
10. “Legacy”

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