Damage and Joy

The Jesus and Mary Chain - Damage and Joy

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Neunzehn Jahre nach ihrem letzten Album sind The Jesus and Mary Chain wieder da – und können sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen: Trotz der langen Abstinenz empfängt das Publikum die ergrauten Indie-Antihelden mit offenen Armen. Und warum? Weil The Jesus and Mary Chain dasselbe machen wie immer.

Bei jeder anderen Band wäre das Prädikat „wie früher“ eine Umschreibung für Erstarrung und Einfallslosigkeit, bei The Jesus and Mary Chain ist das Gegenteil der Fall: Die Fans können sich freuen, dass die Reid-Brüder mit „Damage and Joy“ weder neue Wege beschreiten noch (bis auf eine Ausnahme) Experimente machen. Wieso sollten sie auch?

1985 schufen die notorisch verfeindeten, inzwischen wieder bestens zusammen arbeitenden Brüder aus East Kilbride, Schottland mit dem Album „Psychocandy“ ihren Trademark-Sound, der -zigtausendfach kopiert und adaptiert, jedoch niemals übertroffen wurde. Heerscharen von Nachahmerbands versuchen sich am Stil der Reids, kombinieren süße Melodien mit Noise und fiesem Feedback, und doch klingt nur Jesus wie The Mary Chain.

„Damage and Joy“ mag anno 2017 nicht mehr die revolutionäre Wirkung entwickeln wie einst „Psychocandy“, aber die Mischung aus jangelnden Gitarren, rauem Rock’n‘Roll und Jim Reids knurrigem Nicht-Gesang fasziniert sofort wieder. Die vorab veröffentlichten Singles „Amputation“ und „Always Sad“ klangen unverwechselbar nach JAMC, und die übrigen Stücke - bis auf das orchestral angelegte „Los Feliz (Blues and Greens)“ – tun das auch.

„Damage and Joy“ ist kein überstürztes Comeback-Album, sondern über Jahre gewachsen: Einige Songs wurden von Jim Reid bereits solo aufgenommen, „All Things Must Pass“ beispielsweise war in der TV-Serie „Heroes“ zu hören. Ob dunkler Bluesrock oder bittersüße Ballade: Auch in ihrer 2017er-Inkarnation kreiert die Band, zu der zurzeit Depeche-Mode-Producer Youth, Schlagzeuger Brian Yound und Bassist Phil King (Lush) gehören, das einzigartige JAMC-Gefühl: Irgendwo zwischen melancholischer Romantik und purem Weltekel.

Ursprünglich war „Damage and Joy“ als Duett-Album geplant, auch das eine Referenz an sich selbst: Man denke z.B. an die 1994er-Single „Sometimes Always“ mit Hope Sandoval von Mazzy Star. Die Idee wurde immerhin in knapp der Hälfte der Songs mit den Gastsängerinnen Isobel Campbell, Sky Ferreira und Bernadette Denning verwirklicht: Jim Reid genießt offensichtlich die Rolle des grumpy old man mit Hang zur komplizierten Beziehung, und besonders Ferreira gibt den unerwartet kongenialen Gegenpart.

Dass die Reid-Brüder laut eigener Aussage keine aktuelle Musik hören, glaubt man ihnen sofort: Starrsinnig halten sie am eigenen Vermächtnis fest – und ehrlich gesagt hätte diesem Album nichts Besseres passieren können.

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