Grey Tickles, Black Pressure

John Grant - Grey Tickles, Black Pressure

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...'ne ganze Menge. Dieses Album zum Beispiel. Da geht es sogar um Liebe. Um Liebe zu sich selbst, zu anderen, zur Welt an sich. Wenn es um Liebe geht, kann man auch von Ehrlichkeit, Humor und manchmal sogar Wut sprechen. Das alles hört man auf "Grey Tickles, Black Pressure", der dritten Platte von John Grant.

Den Rahmen der 12 Songs des Album bildet das Hohelied der Liebe aus dem 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs. Den musste der kleine John Grant damals in der Kirche lernen und hielt es als Erwachsener scheinbar für notwendig, die Menschheit noch einmal daran zu erinnern, was wirklich wichtig ist. Gern auch auf Englisch, Russisch und Deutsch - Sprachen die der US-Amerikaner allesamt fließend beherrscht. Den Hang für Sprachen und Spielereien merkt man Grant an. 

'Grey Tickles' ist die wörtliche Übersetzung von Midlife-Crisis aus dem Isländischen.
'Black Pressure' wiederum die wörtliche Bedeutung für Albtraum aus dem Türkischen. Dinge, zu denen John Grant durchaus enge Assoziationen hat. Persönliche Themen wie Sucht, Selbstzweifel, Depression, HIV-Erkrankung - all das verarbeitet er in seinen Songs. Aber eben auf seine eigene Art. Eine Art, die wunderbar humoristisch-absurder Natur ist.

In großen Balladen und pop-rock-elektronischen Kompositionen widmet er sich gern den kleinen großen Problemen unserer industrialisierten Welt, den sogenannten First-World-Problems. Er tut dies glücklicherweise nicht mit ausgestrecktem Zeigefinger, sondern lieber mit erhobenem Mittelfinger. Inklusive mindestens einem zwinkernden Auge.

Hingebungsvolle Zeilen im Stil von "Global Warming Is Ruining My Fair Complexion" ("Global Warming") oder prägnante Feststellungen à la "You Know It Takes An Ass Like Yours/To Make It Possible For Me/To Have Developed Such A High Tolerance/For Inapprobriate Behaviour" ("Snug Slacks") sind kritisch-unterhaltsame Zeugnisse unserer Zeit. Die sonore, hoch-emotionale Stimme Grants gleitet dabei geschmeidig auf großen Melodien dahin.

Der Wahl-Isländer hat nach Kollaborationen mit Sinead O'Connor, Hercules & Love Affair und Goldfrapp nun Amanda Palmer, Ex-Siuxsie-&-The-Banshees-Drummer Budgie und Tracey Thorn gewinnen können. Letztere unterstützt Grant bei "Disappointing", einer wunderschönen Ode an eine geliebte Person, die wichtiger als Lieblingskünstler, -schriftsteller oder -schauspieler ist. Nur eine von vielen Gelegenheiten, ein paar popkulturelle Referenzen auszupacken.

Produziert wurde das Ganze von Grammy-Gewinner John Congleton, der sich bereits für die letzten großartigen Werke von St. Vincent verantwortlich zeichnete. Zwei Johns und ein Hang für's Außergewöhnliche - das konnte ja nur gutgehen.

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