Johnny Marr – Call The Comet

Johnny Marr - Call The Comet

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Der ehemalige The-Smiths-Gitarrist beweist einmal mehr, dass er einer der besten seiner Zunft ist: Johnny Marr spielt unaufgeregt und unsentimental, auch wenn in diversen Songs die deutlichen Echos der Vergangenheit zu hören sind.

Während Morrissey auf seinem ersten Solo-Album "Viva Hate" die Atombombe herbeisehnte, um die Menschheit zu erlösen, wünscht sich sein ehemaliger Kompagnon bei den Smiths einen Kometen herbei, der wünschenswerterweise eine andere Intelligenz mitbringt und uns alle aus unserer Misere erlöst.

Marr nennt seinen Ansatz "magischen Realismus", den er auf "Call The Comet" musikalisch jedoch weitestgehend ohne magischen Firlefanz, sondern meist ganz realistisch mit gewohnten Rockmusik-Mustern untermalt. Dennoch gibt es auf dem Album viele Beispiele seines unverkennbaren filigranen Gitarrenspiels zu hören und er experimentiert mit diversen Genres wie Post-Rock, Kraut oder Synth-Pop.

Und doch ist da ein Licht, das scheinbar nie erlischt: Bei "Hi Hello" vermeint man plötzlich die schimmernde Melodie von "There’s A Light That Never Goes Out" heraus zu hören und das Lied ist ein deutliches Echo an vergangene geniale Zeiten.

Video: Hi Hello

"Day In Day Out" beginnt dann frappierenderweise exakt wie "Bigmouth Strikes Again" und Verschwörungstheoretiker dürften spätestens nun vermuten, dass Marr damit Morrissey geheime Botschaften schicken will. Vielleicht will er ihn mit seinem "magischen Realismus" zur Vernunft bringen, ihn zurückbringen zur früheren kongenialen Zusammenarbeit?

Ach nein, dazu ist Marr viel zu sehr Realist, das zeigt sein drittes Solo-Album, in dem er schließlich singt: "Now Is Forever, Now Is An Old Re-Run". Dem ehemaligen The-Smiths-Gitarristen ist stets bewusst, dass er ein musikalisches Erbe hinterlassen hat, das überlebensgroß ist und doch ist da eben ein Licht, das nie ganz erlischt: Auch wenn es auf "Call The Comet" nur ab und an aufflackert.

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