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Joris - Schrei Es Raus

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"Musik ohne Ecken und Kanten" ist kein besonders erstrebenswertes Branding für Künstler. Auf Joris trifft es dennoch zu.

Der Deutschpop hat Schaden erlitten, seit Jan Böhmermann mit seinem "Menschen Leben Tanzen Welt"-Pamphlet die Musikindustrie samt ihrem knallharten Marketing-Kalkül, den Ghostwritern und all der Austauschbarkeit sezierte. Nicht zuletzt der ECHO hatte eindrucksvoll gezeigt, dass sich deutsche Radio-Singles textlich wie musikalisch mindestens ähnlich sind, oft aber klingen, als stammten sie alle aus derselben Feder. Doch trotz der Ächtung vieler Musikmedien laufen die Giesingers und Fosters dieser Welt nach wie vor ununterbrochen im Radio.

Joris soll dagegen nicht so leicht in diese Schublade zu packen sein: Alles echt, alles selbst geschrieben laut eigener Aussage, selbst der musikalische Background stimmt bei einem biographischen Check, hat der Deutschpoet doch sowohl auf der Popakademie als auch der Berliner Universität der Künste gelernt. Mit "Schrei es raus" bringt Joris nun sein zweites Album heraus, aus dem erste Singles schon im Frühjahr zu hören waren.

Video: Joris - "Signal"

Mittlerweile weiß der gebürtige Westfale genau, welche Regler in Bewegung gesetzt werden müssen, um Emotionen beim Zuhörer auszulösen. Hey-Chöre für Aufbruch, sanfte Pianomelodien für ruhige, melancholische Momente und rockige - oder eher angerockte - E-Gitarren für Trotz und Ventilmomente: "Schrei es raus" ist ab Sekunde Eins durchschaubar, aber ebenso effektiv. So austauschbar sich die Tracklist bereits liest, so leicht kann sich wirklich jeder Hörer irgendwie mit den Texten identifizieren. Binsenweisheiten á la "Wer Glück haben will, muss was riskieren" wechseln sich mit oft gehörten "Wir gegen Die"-Phrasen ab, laden aber weniger zum Nachdenken als vielmehr zum Dasein als Wandtattoo-Aufdruck ein.

Video: Joris - "Glück auf"

"Schrei Es Raus" umschifft mit handwerklich perfekten, aber absolut glatten Arrangements jedes musikalische Risiko und ist am Ende leicht konsumierbare Popmusik für das Formatradio - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Interessant jedoch, dass die beigefügten Live-Mitschnitte (u.a. bei Spotify) andeuten, dass Joris kleinen Soundexperimenten gar nicht abgeneigt ist. Vielleicht, weil man im Hintergrund Festivalpublikum mehr Musikalität zutraut als Dudelfunk-Hörern.

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