Juju - Bling Bling (Artwork)

Juju - Bling Bling

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Kann man über Jujus Debütalbum sprechen, ohne über Feminismus im Rap zu sprechen? Kann man, muss man aber nicht. Die Berlinerin liefert ab und dürfte für schmerzende Finger an den Facebook-Tastaturen sorgen. 

Wenn uns die "Nicki Minaj vs. Cardi B"-Thematik in den USA eines beigebracht hat, dann dass es wirklich nur eine einzige Frau auf dem ominösen Rap-Thron geben darf. Feminismus schön und gut, aber eine rappende Frau reicht doch eigentlich auch, oder? Und trotz aller Frauenfeindlichkeit im Genre, hat man immer wieder den Eindruck, die deutsche Szene sehnt sich nach einem Rap-Poster-Girl - mindest deshalb, um sich für den Moment weniger angreifbar zu machen. 

Und die Szene hat ihr Spiel gespielt: Loredana und Eunique standen scheinbar nicht ernsthaft zur Debatte, bei Haiyti müsste man sich auf ein ungewöhnliches Soundbild einlassen und Youtube-Rapperin Shirin David fliegt aus dem Wettbewerb, weil sie "zu künstlich" aussieht. Damit ist eigentlich alles gesagt. Den Zweikampf der beiden SXTN-Girls hat Juju dann spätestens durch ihre Features mit Capital Bra und Henning May gewonnen. Beworben hat sie sich dafür nicht, der Status als neue Rap-Queen Deutschlands wurde ihr aber schon vor dem Release ihres Debütalbums in den Kommentarspalten verliehen. Irgendwer muss den Job ja machen und die sieht ja wenigstens gut aus, oder?

Besonders ärgerlich wird es dann, wenn genau diese Kommentar-Fraktion langsam einsehen muss, dass ihnen Juju genau die Musik liefert, nach der sie an anderer Stelle so verzweifelt schreien. Denn mit "Intro", "Coco Chanel", "Bye Bye" und wohl auch "Hardcore High" gibt es gleich eine ganze Reihe Representer-Tracks, die nicht nur stark gerappt sind, sondern vor allem Spaß machen. Und mit "Live Bitch" kommen sogar 102 Boyz-Fans auf ihre Kosten. 

Die Erfolgssingle "Vermissen" hat aber bereits angedeutet, dass es auf diesem Album auch eine zweite Juju geben wird. Und die läuft auf "Ich müsste lügen" ein zweites Mal zur Hochform auf. Gute  - und vor allem unpeinliche - Rap-Songs über solche Themen zu machen, ist in Deutschland weiterhin eine Kunst. Juju zeigt nicht nur, wie das funktioniert, sondern dass sich dieser Stil auch problemlos mit dem sympathischen Proll-Gehabe vieler anderer Tracks vereinbaren lässt. 

Ein weiterer Pluspunkt: 12 Tracks. Wie schön die Welt sein kann, wenn ein Album nicht blind nach Streaming-Eignung zurechtgeschnitten wird, sondern sich tatsächlich auf gute Musik konzentriert. Ein paar Schwachstellen gibt es aber dennoch. "Sommer in Berlin" ist der einzige Song, dem man einen wirklichen Filler-Status zusprechen kann und "Hi Babe" lebt im Endeffekt von der musikalischen Nelly-Anlehnung. Und dass man Xavier Naidoo heute - ungeachtet seiner Person - nicht mehr als Featuregast braucht, hat Kool Savas doch bereits vor einigen Jahren auf Albumlänge bewiesen. 

"Man wird nicht sagen, das ist Frauen-Rap auf Deutsch. Man wird sagen, dieses Album hat zerstört" - ob "Bling Bling" auf ganzer Linie "zerstört" hat, sei dahingestellt. Dieses Album sollte aber mindestens dafür sorgen, dass Juju ihren Status nicht mehr innehat, weil sie von irgendwelchen 14-Jährigen als "fickbar" abgestempelt wird, die lediglich respektieren können, dass sie ab und an "Hurensohn" in ihren Texten unterbringt. Juju sollte ihren Status haben, weil sie eines der besten Deutschrap-Alben der ersten Jahreshälfte abgeliefert hat. 

Juju - Bling Bling (Artwork)

Juju

Über Frauen im Deutschrap wurden viele Texte geschrieben. Juju sorgt dafür, dass man auch einfach wieder guten Rap hören darf. 

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