Julia Holter - Aviary

Aviary

Julia Holter

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Wenn das Gespenst der Neo-Klassik auf einen Folkhorror-Soundtrack trifft, dann öffnet Julia Holter wieder ihre überbordende Wunderwelt: Auf "Aviary" gelingt der Musikerin aus Los Angeles ein alptraumhaftes und atemberaubendes Abenteuer zwischen Dream- und Angstpop.

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Mit einem gespenstigen und gewaltigen Auftakt namens "Turn The Light On" beginnt eine flatterhafte und flirrende Reise in Julia Holters neues Universum namens "Aviary" (zu Deutsch "Voliere"), auf die sie als inspirative Trip-Begleiter Björk, Broadcast, Kate Bush, His Name Is Alive, Laurie Anderson, Stina Nordenstam oder Spacemen 3 mitgenommen hat.

Video: "I Shall Love 2"

In einer Voliere können Vögel frei herumfliegen, aber frei sind sie dennoch nicht. Ein ähnliches Konzept liegt auch diesem Album zugrunde, deren Name auf die Kurzgeschichte "I found myself in an aviary full of shrieking birds" der libanesischen Autorin Etel Adnan zurückgeht.

"Ein alptraumhaftes und atemberaubendes Abenteuer zwischen Dream- und Angstpop."

Holters metaphorische Voliere ist unser aller Verstand, der täglich mit einer Vielzahl von Stimmen konfrontiert wird: Darauf einprasselnd aus Smartphones, Sozialen Medien, E-Mails, News etc. Diese "Kakophonie", wie Holter es nennt, hat die Musikerin nun meisterhaft in luzide Musik überführt – auf dass wir dadurch nicht nur andauernd gegen Gitter fliegen, sondern durch sie hindurch schweben können.

Video: "Words I Heard"

"Aviary" ist ein anstrengendes Album im positiven Sinn: Es fliegt von einer Melodie zur nächsten, ist unvorhersehbar in seinen Wendungen und pickt sich die unterschiedlichsten Stile und Instrumente auf, wie ein Vogel herumliegende Beeren. Zarte Kompositionen wie "Voce Simul" oder streicherselige Songs wie "Chaitius" treffen auf gespenstige Folkhorror-Verästelungen wie "Everyday Is An Emergency" oder prallen auf New-Wave-Exzentrik wie in "Les Yeux To You". Zusammengehalten werden diese disparaten wie de­li­rie­renden Tracks von Holters Stimme, die meisterhaft zwischen Theatralik, Zärtlichkeit, Dominanz und Verspieltheit variiert.

Auch wenn "Aviary" ein durch und durch aktuelles Problem thematisiert, das von Filterblasen zu Überförderung reicht, so klingt die Musik mit all ihren Flöten Schalmeien und Mantras wie aus der Zeit gefallen: Experimenteller Avantgarde, rätselhafter Barockpop sowie sphärische Synthiespielereien vereinen sich hier zu einer schwindlig machenden Zeitschleife.

"Aviary" von Julia Holter erscheint am 26.10.2018 bei Domino Records.

Julia Holter Tourdaten 2018 

27.11.18 Bochum – Schauspiel

30.11.18 Berlin – Funkhaus

01.12.18 Hamburg – Elbphilharmonie

02.12.18 Frankfurt – Brotfabrik

03.12.18 München – Kammerspiele

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