Kanye West - YE (Artwork)

Kanye West - Ye

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Allen Kontroversen zum Trotz liefert Kanye West wieder musikalischen Output auf höchstem Niveau. Eine ausführliche Theorie zu "Ye".

Bei diesem Album auf einzelne Textzeilen, musikalische Elemente oder sogar Samples einzugehen, wäre bloße Verschwendung. Um in der allseits beliebten und oftmals verlachten "Kanye loves Kanye"-Metapher zu bleiben: Kanye hat einen Liebesbrief an sich selbst verfasst. An sich selbst, seine Karriere und sein bisheriges Leben.

Die 7 Songs von "Ye", gleichzeitig die Anzahl seiner bisher veröffentlichten Soloalben, fassen durchgängig Elemente aus Kanyes bisheriger musikalischer Karriere auf. "Violent Crimes" fühlt sich wie ein Zeitreise ins Jahr 2008 zu "808s & Heartbreak" an, "Ghost Town" spielt mit den pompösen Feel-Good-Elementen von "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" und "All Mine" kann man durchaus die Unzugänglichkeit der "Yeezus"-Phase unterstellen.

Lässt man sich in diesen Ansatz fallen, findet man in "I Thought About Killing You" schnell den Spoken-Word-Stil, der uns bereits auf "The Life Of Pablo" mehrmals über den Weg gelaufen ist. Der musikalische Stil von "Yikes" hätte mit einigen Anpassungen sicherlich auch seinen Platz auf "Graduation" gefunden. 

Kanye ist an einem Punkt seiner Karriere angekommen, an dem er sich schamlos selbst referenziert und seinen eigenen Status nicht zur Schau stellt, sondern als künstlerische Grundlage verwendet. Er öffnet sich und seine Gefühlswelt und versteckt dabei, anders als in der Vergangenheit, nichts hinter ausgeschmückten Phrasen oder bis ins letzte Detail ausgefeilten Reimketten. Kanye macht sich mit "Ye" zu einem Grad nachvollziehbar, den besonders nach den vergangenen Wochen wohl kaum ein Fan oder Kritiker erwartet hätte. 

Den Grund dafür scheint Mr. West bereits auf dem Albumcover vorzustellen: "I hate being bipolar - it's awesome". Ein Spruch, den man vielleicht eher auf einem Tumblr-Blog als auf dem 8. Album von Kanye West vermuten würde. Gleichzeitig ist er so etwas wie die Eintrittskarte für dieses Album. Die Akzeptanz seiner Krankheit liefert uns einen Kanye West, der sich vor niemandem mehr versteckt.

Zwar konnte Kanye erwartungsgemäß nicht ganz darauf verzichten, an die kontroversen Aussagen der letzten Monate anzuknüpfen, im Vordergrund steht jedoch eine Art lyrische Öffnung und Selbstreinigung. 

Ein Liebesbrief an die eigenen Karriere - mehr Kanye geht wohl nicht. Dass dieses Vorhaben so gut funktioniert, zeigt jedoch erneut mit wem wir es hier zu tun haben: Kanye West. Und sollte der Ansatz dieser Review der Wahrheit entsprechen, könnten wir es hier mit seinem letzten Album zu tun haben.

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