Kerstin Ott / "Herzbewohner"

Kerstin Ott - Herzbewohner

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Es gibt Musik, die einen kalt lässt. Der auf Club getrimmte Schlager von Kerstin Ott gehört nicht dazu. Diese Musik macht erst betroffen, dann wütend. Weil sie so erfolgreich ist. Denn dieser Erfolg macht deutlich, was in der Branche und beim Massengeschmack gewaltig schief läuft.

Eine gelernte Malerin und Lackiererin singt in ihrer Freizeit Schlager. Ein Produzenten-Duo aus dem Erzgebirge entdeckt eines dieser Lieder bei Youtube, legt einen radiotauglichen Beat darunter und stürmt damit die Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Denkt man an Schni-Schna-Schnappi (1,7 Millionen verkaufte Tonträger) oder den Crazy Frog (Platin in ganz Europa), ist die Kombination Stereoact / Kerstin Ott also noch nicht mal das Schlimmste, das einem in den deutschen Charts begegnen kann.

Doch natürlich konnte man es einfach nicht dabei belassen und hier fängt es an, wirklich fies zu werden. Was ein Label erstmal als Cash Cow identifiziert hat, lässt es so schnell nicht mehr los; Da muss ein ganzes Album her. Also wird ein Cash Cow-erprobter Produzent engagiert (in diesem Fall Thorsten Brötzmann, der bereits mit illustren Größen wie DJ Ötzi, Helene Fischer und Monrose gearbeitet hat) und dann wird richtig Geld verdient. Es wäre doch gelacht, wenn man den Mist nicht auch noch in der XL-Version verkauft bekäme.

Auf „Herzbewohner“ erwarten den Hörer Einblicke in Otts Seelenleben von verträumt über rebellisch und verträumt bis zu verträumt. Unter diesen 13 Befindlichkeiten liegt 13 mal der gleiche stumpfe Beat und fertig ist ein feiner Einheitsbrei, der keinen stört und mit dem RTL theoretisch ein ganzes Jahr lang alle Trailer unterlegen kann, ohne, dass davon jemand aufwacht.

"Freier Vogel möchtest du sein, doch warum, warum, warum fliegst du so allein, allein, allein, allein, allein, allein?"

Dennoch ist der Tiefpunkt dieser Produktion tatsächlich der eine Moment, der ohne Discofox auskommt: Karriere-Kickoff „Die immer lacht“ bekommt als sogenannte „Acoustic-Version“ den großen Auftritt spendiert - zwecks Risikovermeidung natürlich nicht in der ursprünglichen (und arg dünnen) Original-Version aus Kerstins Küche, sondern als Neueinspielung samt Band und klebrigem Country-Anstrich. Spätestens hier zeigt sich, man mag es kaum aussprechen, welch unschätzbaren Gefallen der Retorten-Beat Otts Stimme bei den übrigen Songs erweist. So traurig diese Feststellung auch ist.

Aber etwas muss doch dran sein an Musik, die so vielen gefällt, richtig? Falsch. Wie so oft ging man hier einfach den Weg des geringsten Widerstandes und ersetzte jeden möglichen Reibungspunkt, jeden noch so dürftigen Inhalt gegen tausendmal erprobte Allerwelts-Ware, wie geschaffen für die Beschallung der Primark-Filialen landauf, landab. Für sehr viele Menschen da draußen ist Musik dann gut, wenn man den Text schon beim ersten Hören mitsingen kann.

Ob die Protagonistin sich des Elends überhaupt bewußt ist, darf bezweifelt werden. Dass eine junge Frau die Chance ergreift und ihre 15 Minutes of Fame genießt, ist weder überraschend noch verwerflich. Das Ergebnis dieses Traumes ist jedoch ein Album für Menschen, denen Musik herzlich egal ist, gemacht von routinierten Produzenten und Geschäftsleuten, denen es ähnlich geht.

Dass es tatsächlich genügend Publikum gibt, das in solch seelenlosem Gerumpel das neue deutsche Pop-Selbstbewußtsein zu erkennen glaubt und einen Titel wie „Herzbewohner“ in die Album Top 10 kauft, ist das größte Übel an dieser durch und durch üblen Angelegenheit.

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