Das Artwork des Kings of Leon Albums "Walls"

Walls

Kings Of Leon

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
ordentlich
gut
sehr gut

Na hoppala! Das hat dann auch uns überrascht. Die Kings Of Leon stellen mal wieder was ordentliches auf die Beine. "Walls" ist sogar sehr ordentlich. Und unser Album der Woche.

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Die Spatzen pfiffen es schon von den Dächern. Seitdem die erste Singleauskopplung "Waste A Moment" in die Welt entfleuchte, munkelte man schon, was jetzt Gewissheit ist. Die Kings Of Leon - die Familienbande Followill aus Tennessee - waren eigentlich schon ganz tief in die Schublade "belangloser Südstaaten-Indie-Rock" gesteckt. Ohne realistische Aussicht auf Rückkehr. Dafür waren die letzten beiden Alben "Mechanical Bull" und "Come Around Sundown" zu enttäuschend, konnten nicht im Geringsten an "Because of the Times" oder "Only By The Night" anknüpfen.

Man hing in der Wiederholungsschleife fest. Uninspiriert hangelte man sich von Album zu Album, um jetzt mit Platte Nummer sieben mal wieder ein richtiges Brett vorzulegen. "Waste A Moment" - einer der Keytracks des Albums - ist zwar thematisch ein abgegriffener Hut, dass die Könige aber mal wieder solche Hooks aus dem selbigen ziehen, ist schon ein ganzes Weilchen her.

Mit "Reverend" schiebt sich gleich die zweite, etwas gediegenere aber dafür stilistisch umso anspruchsvollere Nummer hinterher. Das alles klingt frisch wie nie: das hastige Schlagzeug, die sich nach vorne schiebende Rhythmusgitarre, dazu der Bass und die Leadgitarre, die nach altem Kings Of Leon-Rezept immer ein wenig gediegener daherkommen. Da haben sich die vier US-Rocker mal wieder an das erinnert, was sie vor knapp einem Jahrzehnt zu einem Kritiker- und Fanliebling gemacht hat. Das Langzeitgedächtnis ist intakt und Stück für Stück finden Kings Of Leon wieder zu sich selbst.

Produziert wurde das feine Stück von Markus Dravs, der schon die Butler-Brüder von Arcade Fire oder Florence+The Machine unter seine Fittiche nahm. Bleibt die Frage, weshalb ein solch kredibler Mann es nicht verhindern konnte, dass man sich mit "Muchacho" an einen Möchtegern-Karibik-Feelgood-Summer-Hit versucht. Auch diese Platte ist nicht frei von solchen Fremdschämmomenten. Ein weiteres Beispiel ist mit "Over" ein in sich in Belanglosigkeit suhlendes Stückchen Musik, dass so gar nicht zur eigentlich so stringenten Rockproduktion von "Walls" passen will.

Alles in allem finden Kings Of Leon aber endlich wieder einen guten Mix aus ordentlichen Mitsinghymnen ("Waste A Moment" / "Find Me"), klingen stellenweise wie Gaslight Anthem in ihren besten Tagen ("Eyes On You"), haben aber noch immer so viel Eigenerkennungswert, dass man, sobald die Stimme einsetzt, sofort weiß: Das sind Kings Of Leon, das kann nur gut werden. Auf "Walls" leider mit ein paar Ausnahmen.

"Walls" von Kings of Leon erscheint am 14.10.2016 über Sony Music.

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