Platin war gestern Cover

Platin war gestern

Kollegah & Farid Bang

Redaktionswertung: 
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Ein letztes Mal: Kollegah & Farid Bang schließen mit "Platin war gestern" ihre "JBG"-Reihe ab. Die Luft ist inzwischen raus.

Vier Monate sind seit der letzten ECHO-Verleihung aller Zeiten ins Land gezogen und inzwischen haben sich die Gemüter wieder beruhigt. Sollte man jedenfalls meinen. In Wirklichkeit nutzen Kollegah & Farid Bang ihr letztes Kollabo-Album, um noch einmal ordentlich mit dem Musikpreis und der Medienlandschaft abzurechnen.

Sie wollen uns mundtot machen, sie fordern den Echo-Verweis
Nackenschellen für Journalisten, dann habt ihr auch ma' paar Verbände am Hals

- Kollegah & Farid Bang auf "All Eyez On Us"

Konsequent führt das Skandalduo auf "Platin war gestern" fort, was es auf "JBG 3" bereits so öffentlichkeitswirksam inszeniert hatte, sprich Punchlines gegen Szenekollegen und Boulevard-Persönlichkeiten. Nur gibt es mit dem Rummel um den Echo eben diesmal einen weiteren Schwerpunkt, der zuweilen etwas überstrapaziert wird. Auf ganzen sechs Songs greifen die beiden das Thema auf, obwohl die Geschichte nun wirklich längst auserzählt ist.

Video: Kollegah & Farid Bang - "Mitternacht 2"

Ansonsten bleibt es schwierig, "Platin war gestern" überhaupt richtig in die Diskographien von Kollegah & Farid Bang einzuordnen. Weder versteht es sich als vollwertiger Teil der "Jung Brutal Gutaussehend-"Reihe (die als Trilogie ohnehin abgeschlossen ist), noch als bloßes Extra dazu. Böse Zungen würden sogar behaupten, es hätte "Platin war gestern" nicht wirklich gebraucht.

Denn alles an den 15 neuen Tracks fühlt sich nach lauwarmem Aufguss an: da wären die blutleere Fortsetzung eines Klassikers ("Mitternacht II"), ein lahmer Remix ("Sturmmaske auf") und ständige Reminiszenzen an die Vorgängeralben - so als wären hier vor allem Leftovers und B-Seiten versammelt. Über die geschmacklose "Nafri Trap EP", die der Fanbox beilag und die mäßig lustige Szeneparodie auf fünf Tracks auswalzt, soll hier der Mantel des Schweigens gelegt werden.

Der Wortwitz und das absurde Geprotze, das "JBG" einstmals so groß gemacht hatte, blitzt leider nur noch selten durch. Viele durchdachte Pointen sind stumpfen Gewaltphantasien gewichen, die zu gewollt nach Tabubruch klingen. Allgemein stellt sich das Gefühl ein, beide Rapper haben Schwierigkeiten, auf Trap-Beats zu schreiben. Das Suchen nach neuen Vergleichen, die kreativen Wortspiele, das Um-die-Ecke-Denken beim Hören fällt damit dem musikalischen Wandel Richtung Szenetrends zum Opfer - und damit der Kern von dem, was an "JBG" eigentlich spannend war.

Video: Kollegah & Farid Bang - "All Eyez On Us"

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